Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Wieso Mainz nun doch keine Bauschuttdeponie mehr plant

     

    Von Markus Schug | Aktualisiert am 30.05.2022 | 05:29

     

    Laut Ankündigung aus dem Rathaus will die Stadt Mainz die Pläne für eine eigene Bauschuttdeponie im alten Laubenheimer Steinbruch aufgeben. Das hat die Baubranche überrascht.
    Laut Ankündigung aus dem Rathaus will die Stadt Mainz die Pläne für eine eigene Bauschuttdeponie im alten Laubenheimer Steinbruch aufgeben. Das hat die Baubranche überrascht.

     

    Bauunternehmen aus der Region und die Handwerkskammer Rheinhessen halten es für falsch, dass die Stadt Mainz die von ihr bisher verfolgten Pläne für eine eigene Bauschuttdeponie im ohnehin zu verfüllenden Laubenheimer Steinbruch nun offenbar aufgeben will. Die neue Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Die Grünen) hatte Mitte April angekündigt, das schon begonnene Planfeststellungsverfahren nicht mehr weiterzuverfolgen. Ob das von ihrer Vorgängerin, der heutigen rheinland-pfälzischen Umweltministerin Katrin Eder (Die Grünen), jahrelang und gegen starke Widerstände vorangetriebene Projekt tatsächlich beerdigt wird, dürfte sich jedoch erst in der Stadtratssitzung im Juli zeigen.

     

    Nicht zuletzt mit Blick auf diese noch ausstehende Entscheidung haben sich der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kammer, Dominik Ostendorf, sowie die Chefs zweier großer regionaler Bauunternehmen, nämlich Tim Gemünden und Peter Karrié, Anfang dieser Woche in einer gemeinsamen Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt. Steinkrügers Einschätzung, dass der Bauboom der vergangenen 20 Jahre abebben werde, sei zumindest mit Blick auf die Mainzer Entwicklung nicht zutreffend, hieß es. Denn wer zum international anerkannten Biotechnologiestandort mit 5000 neuen Arbeitsplätzen werden wolle, müsse auch für ausreichend Wohnungen in der Stadt sorgen.

     

    Es sei nie um asbesthaltige Stoffe gegangen

     

    Allein in den beiden Neubaugebieten Zollhafen und Heiligkreuzviertel seien zuletzt beispielsweise 660.000 beziehungsweise mehr als eine Million Kubikmeter an Erdaushub und Bauschutt angefallen. Genau dafür seien die Lagerflächen im ehemaligen Steinbruch gedacht gewesen, so die Darstellung der Deponiebefürworter. Um asbesthaltige Stoffe, wie von einigen Anwohnern befürchtet, sei es dagegen nie gegangen. Zudem werde der größte Teil des Bauschutts, nämlich gut 90 Prozent, heutzutage ohnehin schon von den jeweiligen Betrieben recycelt und später dann etwa als Tragschicht wiederverwendet. Die Hoffnung, nicht brauchbare Böden fortan im großen Stil in der Dyckerhoff-Deponie der Nachbarstadt Wiesbaden abladen zu können, sei trügerisch. Sollte es in Hessen einmal eng werden bei den Verfüllungskapazitäten, wären die Rheinland-Pfälzer vermutlich die Ersten, die vor verschlossenen Toren stünden. Und in der ebenfalls genannten Deponie im rheinhessischen Framersheim reiche der Platz für mineralische Abfälle aus Mainz voraussichtlich nur für ein paar Jahre. „Wo gebaut wird, muss auch deponiert werden“, lautet deshalb die zentrale Botschaft der beiden Unternehmenschefs von Gemünden und Karrié, die daran erinnern, dass genau dies bis vor zwei Jahren explizit die Position der Stadtspitze gewesen sei.

     

    Andernfalls könne es passieren, dass belastete respektive nicht tragfähige Böden in Zukunft über große Strecken transportiert werden müssten: dies auf Kosten des jeweiligen Bauherrn, also von Privatpersonen oder eben der öffentlichen Hand. Der bevorstehende Abriss der Mombacher Hochbrücke spiele bei der Deponiefrage dagegen keine große Rolle, weil das dort anfallende Abbruchmaterial ohnehin zum größten Teil recycelt werde. Dem von der Umweltdezernentin angeführten Argument, eine Deponierung könne die Stabilität des Hanges gefährden, halten die Baufachleute und Kammervertreter entgegen, dass man einen Hang am besten stabilisiere, indem man ihn vom Fuße her aufschütte und die Hangfläche somit nach und nach reduziere. Genau dies würde bei einer Verfüllung des Steinbruchs passieren.

     

    Die Bürgerinitiative „Nein zur Mülldeponie im Mainzer Steinbruch“, die sich seit vielen Jahren gegen die Einrichtung einer Deponie für Bauschutt der Klassen I und II gewehrt hat, sieht sich durch den überraschenden Positionswechsel im Umweltdezernat bestärkt und bestätigt. Die Rahmenbedingungen hätten sich geändert, dazu drohten hohe Investitionskosten, ließ Steinkrüger im April zur Begründung wissen. Die Deponie wäre somit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.

     

    Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online / 30.05.2022

     

     

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