Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Wohin mit dem Mainzer Bauschutt?

    Das Aus der Bauschutt-Deponie im Mainzer Steinbruch löst bei den Kommunalpolitikern in Laubenheim nicht nur Zustimmung aus. Sie fordern standortnahe Lösungen.

     

    Von Paul Birkner

    Im Mainzer Steinbruch soll kein asbestverseuchter Bauschutt gelagert werden. Das hat die Stadt angekündigt. Doch wohin kommt der Mainzer „Wohlstandsmüll“?. (Archivfoto: Sascha Kopp)
    Im Mainzer Steinbruch soll kein asbestverseuchter Bauschutt gelagert werden. Das hat die Stadt angekündigt. Doch wohin kommt der Mainzer „Wohlstandsmüll“?. (Archivfoto: Sascha Kopp)

    MAINZ - Der Ortsbeirat Laubenheim begrüßt das Aus für die geplante Deponie im Steinbruch – und kritisiert die Stadt zugleich für ihr Vorgehen. Dazu hat der Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung bei Enthaltung der Grünen eine gemeinsame Erklärung beschlossen.

     

    Im April hatte Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) angekündigt, die Pläne für die 2015 vom Stadtrat beschlossene Bauschuttdeponie im ehemaligen Steinbruch nicht weiter zu verfolgen (diese Zeitung berichtete)). „Das ist ein richtiger Schritt für die Gesundheit in Laubenheim“, sagte Ulrich Frings (ÖDP) im Ortsbeirat. Für die SPD-Fraktion betonte Ralf Geißner: „Laubenheim wäre durch Feinstaubemissionen betroffen gewesen.“

     

    Doch es gab auch Kritik an der Verwaltung. Ortsbeiratsmitglieder mehrerer Fraktionen ärgerten sich, von der Entscheidung der Umweltdezernentin aus der Presse erfahren zu haben: „Wir wurden von der Verwaltung nicht informiert“, sagte Gabriele Müller (Grüne).

     

    Christian Hecht fühlt sich "auf den Arm genommen"

     

    „Als Kommunalpolitiker fühle ich mich auf den Arm genommen“, sagte Christian Hecht (FDP). Die frühere Umweltdezernentin Katrin Eder und Finanzdezernent Günter Beck (beide Grüne) hätten stets behauptet, die Deponie sei unumgänglich. „Hier wird die Bevölkerung vorgeführt“, kritisierte auch Norbert Riffel (CDU). Die angegebenen Gründe für das Deponie-Aus, unter anderem die nötige Hangstabilisierung unterhalb der Hechtsheimer Höhe, hält Elke Judith Hecht (SPD) für vorgeschoben – vielmehr sei nun genug Geld in der Stadtkasse, um den Bauschutt außerhalb von Mainz zu entsorgen.

     

    Das Scheitern der Deponie-Pläne führt die Ortsbeiratsmehrheit in ihrer Erklärung auch auf die Kommunikation der Stadtspitze zurück: Der Stadt Mainz sei es „nicht gelungen, die Wichtigkeit des Projekts bei der Bevölkerung zu verdeutlichen. Aufgrund der eventuell entstehenden Gefahren fand das Vorhaben keine Akzeptanz.“

     

    Ausschluss von Asbest und Schlacke

     

    Zu einer eigenen, ausführlichen Stellungnahme holte Franz Horak (Grüne) aus. Bereits der Stadtratsbeschluss für die Deponie 2015 sei „die Beantragung ihres Todesurteils“ gewesen, weil damals die Ablagerung von Asbest und Schlacke ausgeschlossen wurde. Insofern lobte Horak zwar die „mutige Initiative“ der neuen Umweltdezernentin Steinkrüger, die Deponiepläne in der bisherigen Form aufzugeben, kritisierte aber die vorgesehenen Alternativen: „Die asbestverseuchte Mombacher Hochbrücke muss jetzt statt nach Laubenheim ins 45 Kilometer entfernte Framersheim gebracht werden.“ Der weite Transport werde zu einem hohen CO2-Ausstoß führen.

     

    Dieses Problem ist auch den anderen Ortsbeiratsfraktionen bewusst. In ihrer gemeinsamen Erklärung heißt es daher: „Es liegt nun in der Verantwortung der Stadt Mainz, für eine standortnahe Entsorgung des Mülls zu sorgen.“ Die Verhandlungen über die Nutzung der Deponien in Wiesbaden und Framersheim sollten „zügig zum Abschluss gebracht werden“.

     

    Dazu passend: Wäre ein Baggersee im Mainzer Steinbruch doch möglich?

     

    Franz Horak regt an, die Deponie im Steinbruch neu zu planen und dabei „den schwach bis mittel mit Asbest belasteten Brückenbauschutt und die technisch gut beherrschbare Schlacke“ aus dem Müllheizkraftwerk wieder einzuschließen. Dem Stadtrat, der am 20. Juli über das Ende der Deponie-Pläne abstimmen soll, empfiehlt der Grüne daher, „den auswärtigen Weg nicht zu gehen, sondern die Entsorgung des Mainzer Wohlstandsmülls in den eigenen vier Wänden zu ermöglich.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 27.05.2022

     

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    Kommentare: 1
    • #1

      Johanna Welzel (Sonntag, 29 Mai 2022 17:00)

      Franz Horak vernachlässigt in seiner Forderung völlig die gesundheitlichen Risiken, die von einer solchen Deponie für die Anwohner entstehen. Keine Deponie Klasse 1 und 2 liegt in Deutschland sonst so nah an einem bestehenden oder geplanten Wohngebiet und dies aus guten Gründen. Seine Betitelung der Entsorgung einer asbestbelasteten Brücke als „Wohlstandsmüll“ ist reißerisch und nicht korrekt, da es sich bei Brücken um Infrastruktur handelt. Dies wird auch unter einem Foto aufgegriffen und die Bezeichnung „Wohlstandsmüll“ wird ohne Kontext verwendet, was ebenso reißerisch ist. Es geht ihm und der Bauindustrie nur um niedrigere Entsorgungskosten, aber dies auf Kosten der Mainzer Bevölkerung. Erfreulicherweise hat die Stadt Mainz mittlerweile das nötige Geld die eigenen Anwohner zu schützen, statt sich von der Bauindustrie unter Druck setzen zu lassen. Hoffentlich entscheiden sich die Verantwortlichen richtig und für die Interessen der Anwohner statt für den Gewinn einiger einzelner Firmen.