Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Wäre ein Baggersee im Mainzer Steinbruch doch möglich?

     

    Immer wieder wird die Forderung nach einem Baggersee im Laubenheimer Steinbruch laut. Geht nicht, hieß es bis jetzt. Doch Aussagen der SGD Süd nähren Zweifel an der klaren Absage.

     

    Von Julia Sloboda
    Stellvertretende Redaktionsleiterin Mainz

     

    Seit Jahren ist ein möglicher Baggersee im Laubenheimer Steinbruch immer wieder Gesprächsthema. Doch es gibt Hindernisse. (Archivfoto: Lukas Görlach)
    Seit Jahren ist ein möglicher Baggersee im Laubenheimer Steinbruch immer wieder Gesprächsthema. Doch es gibt Hindernisse. (Archivfoto: Lukas Görlach)

    MAINZ - Die Menschen zieht es ans Wasser. Das ist jeden Sommer zu sehen, wenn das Rheinufer gut gefüllt ist. Doch wo kann man sich abkühlen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt? Sicher, es gibt zwei Schwimmbäder. Doch immer wieder gibt es auch die Forderung nach einem Baggersee. Beispielsweise im Laubenheimer Steinbruch.

     

    Im Sommer 2020 nahm diese Idee an Fahrt auf. Damals im ersten Corona-Sommer, als die Schwimmbäder nur zu bestimmten Zeitabschnitten stundenweise öffneten, die Wasserspielplätze ausgeschaltet waren und sich gefühlt ganz Mainz am Mombeach versammelte.

     

    Die Weisenauer Robert Kindl und Antonio Sommese, die sich auch in der Bürgerinitiative gegen die Deponie im Laubenheimer Steinbruch engagieren, sammelten in kurzer Zeit über 3000 Unterschriften in einer Online-Petition für einen Baggersee. Nach der Nachricht vor einigen Wochen, dass voraussichtlich doch keine Bauschuttdeponie für die Deponieklassen I und II im Steinbruch errichtet wird, stand die Forderung nach einem Baggersee – dieses Mal erhoben von der CDU – erneut schnell im Raum.

     

    Grundwasserschutz ist theoretisch möglich

     

    Der Absagegrund damals wie heute lautete: Geht nicht, da das Grundwasser geschützt werden muss. Das hatte auch die neue Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) zuletzt gesagt, als sie die Öffentlichkeit über das Aus der Deponie informierte. Doch stimmt das wirklich? Im Sommer 2020 hatte Hermann Winkel, der damalige Werkleiter des Entsorgungsbetriebs erklärt, dass ein Badesee direkten Kontakt zum Grundwasser haben würde. Eine Deponie werde hingegen mit drei Dichtungskomponenten gesichert, „damit ja kein Schadstoff jemals Kontakt zum Grundwasser bekommt“, so Winkel. Diese Absicherung gebe es beim Badesee nicht. Aber – und das sagte Winkel damals auch: Wolle man bei einem möglichen Baggersee den Kontakt zum Grundwasser vermeiden, sei die Errichtung eines Schutzbauwerkes nötig. Technisch theoretisch möglich ist der Schutz des Grundwassers also.

     

    Neben dem Schutz des Grundwassers gibt es jedoch beim Baggersee im Steinbruch weitere Hindernisse. Denn natürlich müssten die Zufahrtswege, Parkmöglichkeiten und die Infrastruktur vor Ort geklärt werden. Hinzu kommt, dass sich die Stadt zur Verfüllung des Steinbruchs verpflichtet hat. Nachdem HeidelbergCement 2004 den Abbau im Steinbruch eingestellt hatte, wurde das Gelände inklusive Steinbruch vom Mainzer Entsorgungsbetrieb gekauft. Mit der Auflage, den Steinbruch zu verfüllen und anschließend zu renaturieren. Diese Verfüllung ist auf rund 15 Jahre angelegt.

     

    Umweltverträglichkeitsprüfung wäre nötig

     

    Will man vor Ort einen Baggersee errichten, müsste der Steinbruch jedoch nicht mehr so wie geplant verfüllt werden. Doch diesen Schritt müsste sich die Stadt von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd genehmigen lassen.

     

    Die SGD Süd, die in Neustadt an der Weinstraße sitzt, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Herstellung eines Baggersees von der derzeitigen Genehmigungssituation abweiche. „Für diesen Fall ist davon auszugehen, dass eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich wird”, so die Pressestelle der SGS Süd. Ob der Schutz des Grundwassers wirklich einem Badesee im Wege stehen würde, könne nicht so einfach beantwortet werden. Zudem müssten weitere mögliche Auswirkungen untersucht werden.

     

    Erst im Laufe eines solchen Verfahrens könne eine Aussage zur tatsächlichen Genehmigungsfähigkeit und einer möglichen Ausnahme zur bestehenden Verfüllverpflichtung – die übrigens schon seit 1964 besteht – getroffen werden, so die SGD Süd. Eine klare Absage an den Baggersee ist das jedoch nicht. Die Stadt Mainz müsste den Antrag stellen, damit die SGD Süd in ein Prüfverfahren einsteigen könnte.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 05.05.2022

     

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