Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Nach Deponie-Aus: Weisenauer Ortsvorsteher rechnet mit Stadtspitze ab

    Im Steinbruch zwischen Weisenau und Laubenheim wird es keine Bauschuttdeponie geben. Dass dies nicht schon früher entschieden wurde, ärgert den Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein.

     

    Von Ralf Keinath

     

    Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein im Interview mit Merkurist
    Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein im Interview mit Merkurist

     

    Nachdem die Mainzer Stadtverwaltung das Projekt „Deponie Steinbruch Laubenheim“ am Mittwoch für beendet erklärt hat (wir berichteten), hat sich nun auch der Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD) zu Wort gemeldet – und die Stadtspitze scharf kritisiert.

     

    „Es macht mich fassungslos, dass nun Fakten als ‘neu’ deklariert werden, die bereits seit Jahren bekannt sind und auch vom Ortsbeirat thematisiert wurden“, erklärt Kehrein in einer Pressemitteilung. So sei die Frage der Standsicherheit des Hanges bereits seit 2015 in der öffentlichen Diskussion. „Die jetzt angeblich so neue Deponiesituation wurde noch in einer Befragung in der SPD-Stadtratsfraktion im Jahr 2020 von der damals verantwortlichen Dezernentin Eder und dem damaligen Werkleiter vehement bestritten.“

     

    Das „Sahnehäubchen“ sei das Argument der Asbestbelastung des Hochstraßenbauwerks. „Alle größeren Bauwerke aus dieser Zeit sind asbestbelastet, dies ist ebenfalls keine neue Erkenntnis“, so Kehrein. Somit sei die Frage der Entsorgung in die Deponie nach Weisenau bereits seit sieben Jahren beantwortet – mit dem Stadtratsbeschluss, dass Asbest dort nicht entsorgt werden darf. „Stattdessen hat man in der Zwischenzeit Geld für viele Stunden unnützer Arbeitszeit und weitere Gutachten verbrannt.“ Bereits 2019 hatte Kehrein im Merkurist-Interview zum Thema Deponie gesagt: „Ich bin ein absoluter Gegner.“

     

    Deshalb ist der Ortsvorsteher Weisenaus mit dem Deponie-Aus zufrieden. „Ohne das vorbildliche Engagement, das zunächst zur Gründung der BI Mainz 21 geführt hat, die dann mit viel Sachverstand und Herzblut das Genehmigungsverfahren begleitet und kommentiert hat, könnten wir uns heute nicht über dieses aus Weisenauer Sicht positive Ergebnis freuen.“ Zudem bedankt sich Kehrein bei den vielen Spendern, die es ermöglicht hätten, auf Umweltrecht spezialisierte Rechtsbeistände zu engagieren. Diese hätten in der öffentlichen Anhörung gemeinsam mit der BI eine schnelle Genehmigung der Deponie verhindert.

     

     

    „Nun gilt es, die Verfüllung mit unbelastetem Material so schnell wie möglich umzusetzen und eine nachhaltige Renaturierung auf den Weg zu bringen“, so Kehrein. „Ich habe die Hoffnung, dass die neue Form der Bürgerbeteiligung, wie sie derzeit vom Stadtrat diskutiert wird, zukünftig bereits im Vorfeld solch unsägliche Projekte verhindern wird.“

     

    CDU und ÖDP zufrieden

     

    Auch andere Parteien zeigten sich nach dem Deponie-Aus zufrieden. „Die CDU hatte das Projekt nur mit großen Bedenken mitgetragen, da es nicht unumstritten war, aber für die CDU die Entsorgungssicherheit auch ein wesentliches Argument darstellt“, so der Fraktionsvorsitzende Hannsgeorg Schönig. Der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Gerster sagt: „Die Stadt hat sich mit dem Projekt verrannt.“ Jetzt könnten Alternativen, die zunächst vorschnell abgelehnt worden waren, ernsthaft geprüft werden.

     

    Auch die ÖDP will einen Stadtratsbeschluss, das Projekt abzulehnen, grundsätzlich unterstützen. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Claudius Moseler sagt: „Wir haben jahrelang gemeinsam mit der Bürgerinitiative Mainz21 darauf hingewiesen, dass ein solches Projekt in einem dicht besiedelten Raum nicht nachhaltig sein kann. Das bisherige sture Festhalten der Ampel-Fraktionen und der CDU im Stadtrat zur Ablagerung von belasteten Bauschutt erweist sich nun offenbar als schwerer Fehler.“

     

    Quelle: Merkurist / 13.04.2022

     

     

     

     

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