Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Keine Bauschuttdeponie im Laubenheimer Steinbruch

    Eigentlich sollte in Laubenheim eine Deponie für Bauschutt aus Mainz entstehen. Neben Widerstand aus der Bevölkerung gibt es nun mehrere Gründe, warum das Projekt scheitert.

     

    Von Carina Schmidt

    Lokalredakteurin Mainz

     

    11,2, Hektar des rund 56 Hektar großen Steinbruchs sollten eigentlich für mineralische Abfälle zur Verfügung gestellt werden. Nun soll das Vorhaben abgeblasen werden. (Foto: Sascha Kopp)
    11,2, Hektar des rund 56 Hektar großen Steinbruchs sollten eigentlich für mineralische Abfälle zur Verfügung gestellt werden. Nun soll das Vorhaben abgeblasen werden. (Foto: Sascha Kopp)

     

    MAINZ - Eine Nachricht wie ein Paukenschlag:

    Das Vorhaben einer geplanten Bauschuttdeponie für die Deponieklassen I und II im Laubenheimer Steinbruch soll nicht umgesetzt werden.

     

    Wie Umweltdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) am Mittwoch informierte, werde die Verwaltung dem Stadtrat noch vor der Sommerpause raten, das 2015 beschlossene Projekt nicht weiter zu verfolgen.

     

    Drei Gründe nannte die Grünen-Politikerin für diese Empfehlung.

     

    • Erstens: In Wiesbaden stehe die Entscheidung kurz bevor, die Dyckerhoff-Deponie zu erweitern. Die Stadt Mainz habe deshalb mit dem Entsorgungsbetrieb Wiesbaden Verhandlungen über die interkommunalen Zusammenarbeit aufgenommen, um Bauschutt aus Mainz, der unter die Deponieklasse I fällt, in Wiesbaden zu entsorgen. Für Bauschutt der Deponieklasse ll könnte die Deponie in Framersheim in Betracht kommen, die ihre Kapazitäten ebenfalls erweitern wolle, führte Steinkrüger aus.

    • Zweitens: Für den Mainzer Steinbruch war unter anderem die Entsorgung der maroden Mombacher Hochbrücke vorgesehen. Neueste Untersuchungen hätten aber ergeben, dass das Bauwerk mit Asbest belastet sei. „Die Ablagerung von Asbest als Schadstoff ist für den Steinbruch aber ausgeschlossen“, sagte die Umweltdezernentin. Damit könnte die Stadt den größten Posten an eigenem Bauschutt nicht in der eigenen Deponie entsorgen.

    • Der dritte Grund: Im Laufe des Bebauungsplanverfahrens zur Hechtsheimer Höhe sei durch hydrologische Gutachten die Frage zur Stabilität des Hanges aufgekommen.

     

    Durch das sich in die Länge ziehende Planfeststellungsverfahren werde sich das zu erwartende Investitionsvolumen erhöhen. Wie hoch sei unklar, sagte der Leiter der Werkleiter des Entsorgungsbetriebs Michael Potthast. Und die Untersuchungen würden sehr zeitintensiv sein und für Verzögerungen sorgen. Dabei war ursprünglich eine zeitnahe Verfüllung vorgesehen.

     

    11,2 Hektar für Bauschutt waren geplant

     

    Wie mehrfach berichtet, hatte der Stadtrat 2015 unter der Ampelkoalition den Weg für die geplante Bauschuttdeponie der Deponieklassen I und II frei gemacht. Für die Bauschuttdeponie sollten 11,2 Hektar von den rund 56 Hektar großen Steinbruch zur Verfügung gestellt werden. Die prognostizierte Laufzeit: 16 Jahre.

     

    Die Entscheidung fiel unter Steinkrügers Vorgängerin Katrin Eder (Grüne). Vorbereitet wurde das Genehmigungsverfahren schon unter der Ägide von Wolfgang Reichel (CDU). Nachdem HeidelbergCement 2004 den Abbau im Steinbruch eingestellt hatte, wurde das Gelände inklusive Steinbruch vier Jahre vom Mainzer Entsorgungsbetrieb abgekauft. Mit der Auflage, den Steinbruch zu verfüllen und anschließend zu renaturieren. Verfüllt wird bislang nur mit unbelastetem Bauschutt.

     

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    Bürgerinitiative kämpft dagegen

     

    Seit 2015 kämpft die Bürgerinitiative „Mainz 21 – Nein zur Mülldeponie in Mainz“ gegen die Deponie. Ihre zentralen Kritikpunkte lauten: Die dort abgelagerten Stoffe seien für die Anwohner gesundheitsschädlich, der Abstand der Deponie zum Wohngebiet sei zu gering und die Häuser würden an Wert verlieren.

     

    Im Dezember 2019 wurden schließlich beim Planfeststellungsverfahren in Mainz die erhobenen Einwendungen gegen die Deponie und die Stellungnahmen der Behörden diskutiert. Eingeladen hatten die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd als Genehmigungsbehörde der Deponie und der Entsorgungsbetrieb als künftiger Deponiebetreiber. Der damalige Werkleiter des Entsorgungsbetriebs, Hermann Winkel, kündigte an, dass der Abfallschlüssel nochmal überarbeitet werde. Außerdem mussten weitere Gutachten wie ein Schallgutachten eingereicht werden. Die BI kündigte an, gegen die geplante Deponie klagen zu wollen.

     

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    Auch kein Baggersee

     

    Seitdem hieß es seitens SGD Süd und Stadt bei Anfragen immer zu dem Vorhaben immer: Man befinde sich noch im Abstimmungsprozess.

     

    Laut Steinkrüger hat die Stadt bislang rund 1,2 Millionen Euro in das Vorhaben investiert. Wenn der Stadtrat dem Ende des Projektes zustimmen werde, dürfte die Verfüllung mit unbelastetem Erdaushub noch circa 10 bis 15 Jahre dauern, schätzt die Dezernentin. Ein Baggersee, wie sich manch einer für Mainz gewünscht hat, werde es aber nicht geben. „Das geht allein schon deshalb nicht, weil das Grundwasser geschützt werden muss.“

     

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 13.04.2022

     

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