Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Gitta Weber will Mainzer Umweltdezernentin werden

     

    Überraschung für die Mainzer SPD. Die Sozialdemokratin Gitta Weber will Nachfolgerin von Katrin Eder werden. Nominiert wird sie aber nicht von ihrer Partei, sondern von der ÖDP.

     

    Von Torben Schröder

     

    Gitta Weber ist stellvertretende Weisenauer Ortsvorsteherin und SPD-Mitglied. Es gelte, sagt die Chemikerin, über Partei- und regionale Grenzen hinweg Konzepte zu entwickeln. (Foto: hbz/Sämmer)
    Gitta Weber ist stellvertretende Weisenauer Ortsvorsteherin und SPD-Mitglied. Es gelte, sagt die Chemikerin, über Partei- und regionale Grenzen hinweg Konzepte zu entwickeln. (Foto: hbz/Sämmer)

     

     

    MAINZ - Wenn am 13. Juli im Mainzer Stadtrat über die Nachfolge von Umwelt- und Verkehrsdezernentin Katrin Eder abgestimmt wird, werden die Sozialdemokraten vor einem Dilemma stehen: Folgen sie der Koalitionsräson – oder wählen sie eine Partei-Genossin?

     

    Die Grünen, denen im Ampel-Bündnis das Vorschlagsrecht zusteht, haben die Frankfurterin Janina Steinkrüger nominiert. Doch mit Dr. Gitta Weber hat auch eine Mainzer SPD-Kommunalpolitikerin ihren Hut in den Ring geworfen. Im Stadtrat zur Wahl nominiert wird sie allerdings von der ÖDP. Das kündigte Fraktionschef Dr. Claudius Moseler an.

     

    „Wir wollen eine inhaltliche Alternative anbieten“, sagt Moseler. Allzu große Chancen rechne man sich nicht aus. Aber natürlich spielt bei dem Nominierungscoup auch die Causa Sitte eine Rolle.

     

    Dass sie tatsächlich zur Wirtschaftsdezernentin gewählt werden würde, hatte sich die von der CDU ins Rennen geschickte Manuela Matz anfangs kaum ausgemalt. Doch dann passierte mit dem Spontan-Rückzug des FDP-Amtsinhabers Christopher Sitte etwas Unvorhergesehenes, und die Ampel war düpiert.

     

    Gitta Weber gab ihre Bewerbung fristgemäß bis Ende Mai ab. „Man wusste ja lange gar nicht, was bei den Grünen passiert“, sagt die stellvertretende Weisenauer Ortsvorsteherin.

     

    Am Tag nach der Abgabe ihrer Unterlagen habe sie ihre Parteikollegen informiert. Die Reaktionen? „Überrascht.“ Vorher habe sie niemanden in die Bredouille bringen wollen, ihr eigentlich von der Kandidatur abraten zu müssen. Moseler fand Webers Namen auf der Bewerberliste, erinnerte sich an die gemeinsamen Aktivitäten in der BI Steinbruch und habe Kontakt aufgenommen. Inhaltlich habe man schnell zueinander gefunden. Und die ÖDP habe sich bereits in der Vergangenheit für parteifremde Bewerber auf Dezernentenposten ausgesprochen. Eine Konkurrenzkandidatur innerhalb einer Koalition zu verursachen, ist allerdings neu.

     

    Dass am 13. Juli nicht die SPD es sein würde, die Weber vorschlägt, sei ihr von Anfang an klar gewesen. 2001 trat sie in die Partei ein, motiviert durch familiäre Vorbilder und stadtteilinterne Vernetzung, beispielsweise über die ehrenamtliche Tätigkeit für den Turnverein. Moseler verweist auf Webers Lebenslauf als studierte Chemikerin, die in der Industrie und bei der Berufsgenossenschaft in freier Wirtschaft und Behörde (Führungs-)Erfahrung gesammelt habe, seit Jahren eine Messstelle für Gefahrenstoffe leite – und die als gebürtige Westerwälderin lange in Mainz verwurzelt sei. Die Mutter zweier erwachsener Söhne erzählt von Müllsammelaktionen im Grundschulalter, aus denen sich das Interesse zum Chemiestudium entwickelt habe: „Nur wenn man Ahnung hat, kann man etwas verbessern.“

     

    Man müsse die Menschen mitnehmen, statt mit Verboten zu operieren. Fahrrad-Piktogramme auf die Straßen pinseln und zugleich aus Kostengründen die Radwege nicht zu sanieren – „da fühlen die Leute sich vereimert“. Die Maßnahmen in der Umwelt- und Verkehrspolitik müssten gut begründet werden. Das will sie nun tun, zumindest eine Viertelstunde lang im Stadtrat. Es gelte, sagt Weber, über Partei- und regionale Grenzen hinweg Konzepte zu entwickeln. Das scheitere oft schon an der Nahtstelle zwischen Stadtverwaltung und Stadtteilen. „Koalitionsverabredungen bremsen aus“, findet ÖDP-Fraktionsvize Dagmar Wolf-Rammensee, „wir schlagen eine kompetente Persönlichkeit und eine lebenserfahrene Frau vor.“ Und eine, wie Weber selbst sagt, „überzeugte Sozialdemokratin“.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 22.06.2021

     

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