Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Traum von Öko-Bildung und Streuobstwiesen

    Kontroverse um das Projekt „Stadtfarm“, von der CDU im Weisenauer Ortsbeirat ins Spiel gebracht: Gedacht ist an ein Areal im Steinbruch vor den Toren der Stadt Mainz.

     

    Von Michael Heinze

     

     Bildung, Naherholung, Selbstversorgung und Umweltschutz unter einem Dach: Das Öko-Projekt „Stadtfarm“, im Ortsbeirat von der CDU ins Spiel gebracht, sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Weisenau. (Foto: Sascha Kopp)
    Bildung, Naherholung, Selbstversorgung und Umweltschutz unter einem Dach: Das Öko-Projekt „Stadtfarm“, im Ortsbeirat von der CDU ins Spiel gebracht, sorgt für reichlich Gesprächsstoff in Weisenau. (Foto: Sascha Kopp)

     

    WEISENAU - Eine Stadtfarm samt Farm-Kita im Steinbruch: Diese Vision von CDU-Fraktionssprecherin Annette Wöhrlin war das Topthema im Ortsbeirat. Ein Antrag der Christdemokraten mit dem Ziel zu prüfen, ob und welche Flächen im Weisenauer Teil des Bruchs für die Entwicklung des neuen Projekts genutzt werden können, wurde am Ende bei zwei Enthaltungen der Grünen angenommen.

     

    „Unter einer Stadtfarm verstehen wir ein beispielhaftes Projekt, das neue Wege in eine nachhaltige Zukunft sucht“, erläuterte Wöhrlin. „Durch einen ökologischen Anbau regionaler Lebensmittel könnte ein Ort der Begegnung und des Nachdenkens entstehen, den interessierte Bürger mitgestalten können.“ Der ökologische Anbau würde den Weisenauern einen Zugang zur Naherholung in einer landwirtschaftlichen Grünfläche bieten und könnte zum Erlebnis- und Lernort für junge Menschen werden.“ In Kooperation mit der Stadtfarm könne ein Kindergarten entstehen, der Kinderbetreuung und Landwirtschaft miteinander verbinde und von den Wiesen und Anbauflächen profitiere. Als möglichen Standort für die Kita nannte Wöhrlin das Gelände der Entsorgungsbetriebe oder das frühere Portland-Verwaltungsgebäude in der Wormser Straße. Spannend sei der Standort auch im Hinblick auf eine mögliche Zusammenarbeit mit dem nahen Umweltbildungszentrum.

     

    „Bildung sollte nicht ausschließlich in Kita- und Schulgebäuden stattfinden“, betonte Wöhrlin. Aktuell würden die beiden Wiesen, die man für das Projekt im Auge habe, zur Naherholung kaum genutzt. „Sie könnten als Ausflugsort für Weisenauer interessant werden, über die Stadtfarm könnte man ein Angebot zum Selbsternten machen – Tiere könnten dort gehalten werden und Kinder sowie Erwachsene begeistern.

     

    Über eine Vielfalt von Kräutern, beweideten Streuobstwiesen und einem ökologischen Gemüseanbau könne man ein Musterbeispiel für naturverträgliche Landwirtschaft liefern. „Stellen Sie sich mal vor, welche Bereicherung für Weisenau das werden könnte“, schwärmte Wöhrlin. „Es geht uns nicht darum, ins bestehende Ökosystem einzugreifen oder irgendwelche Bienen zu vertreiben. Die ökologische Beweidung wäre eine Aufwertung. Vielleicht könnte man sich vorstellen, dass in Kooperation mit dem Grünamt zwei Gärtner eingestellt werden.“

     

    „Dieser große, schwere Antrag hat bei uns Neugier geweckt“, kommentierte SPD-Fraktionssprecher Tobias Hofmann. „Auch wenn der Standort in der Nähe des Entsorgungsbetriebs mit Schwerlastverkehr, Lärm und Dreck nicht unbedingt für eine Kita geeignet ist.“

     

    Bei den Grünen hielt sich die Begeisterung in Grenzen: „Ich bin überrascht, dass seitens der CDU so ein Thema im Ortsbeirat angefragt wird“, konstatierte Fraktionssprecher Robert Opara. „Dieser Teil des Steinbruchs ist ja ein renaturierter Bereich, der einen ökologischen Wert für Weisenau hat – das würde durch die Bewirtschaftung alles verloren gehen.“ Ein Bildungsangebot sei okay, „aber das hier ist schon ein sehr mächtiges Vorhaben, das ich eher als negativ ansehe und auch nicht unterstützen kann – denn die Ökologie wird so zerstört.“

     

    Laut Freidemokrat Herbert Egner („Ich freue mich, dass dieser grüne Antrag von der CDU-Fraktion kommt“) solle die Stadt prüfen, in welcher Dimension solch ein Projekt umgesetzt werden könnte. „Ich sehe das etwas entspannter als Herr Opara – seine Einwände und Bedenken sind aber berechtigt.“ Man müsse gucken, welche baulichen Maßnahmen möglich sind, ohne dass das, was da mühsam geschaffen wurde, gänzlich beseitigt werde. Dr. Gitta Weber (SPD) sagte: „Bisher haben wir im Steinbruch nur ein paar Bienenstöcke – das geht auch zu erweitern. Eine Stadtfarm wäre ein Leuchtturmprojekt.“

     

    In den Augen von Ellen Kubica (Grüne) ist es „natürlich wichtig, dass wir Kindern den Wert von selbst angebauten Lebensmitteln nahebringen“. Aber das Areal müsse „ein tolles Naherholungsgebiet mit einer stillen und respektvollen Nutzung bleiben und darf nicht überfrachtet werden“.

     

    Sarah Augustin (CDU) meinte in Richtung der Grünen: „Ich unterstelle Ihnen mal, dass Sie nur aus parteipolitischen Aspekten dagegen sind. Inhaltlich kann ich Ihrer Kritik relativ wenig abgewinnen, wenn man bedenkt, dass Sie eine Mülldeponie im Steinbruch gutheißen – und so eine tolle Sache nicht.“ Während Opara konterte, es sei „echt nicht so schön, wenn Unwahrheiten über uns verbreitet werden“, stellte Wöhrlin klar, dass auf keinen Fall ein neues Gebäude erstellt werden solle – „für einen Kindergarten würde am Anfang auch schon ein Bauwagen genügen“.

     

    Quelle: Allgemein Zeitung - Online / 19.03.2021

     

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