Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    „Keine nicht kalkulierbaren Risiken“ für Umwelt und Bürger

    Der Laubenheimer Steinbruch soll zur Bauschuttdeponie werden. In Weisenau wehrt man sich gegen die Pläne. (Archivfoto: Lukas Görlach)
    Der Laubenheimer Steinbruch soll zur Bauschuttdeponie werden. In Weisenau wehrt man sich gegen die Pläne. (Archivfoto: Lukas Görlach)

     

    Von Michael Heinze

     

    WEISENAU - Dass der Pionierwald im sogenannten Laubenheimer Steinbruch größtenteils erhalten bleiben soll (diese Zeitung berichtete), ist für die Weisenauer schön und gut. Da sie aber viel näher dran sind an dem Areal als die Laubenheimer, wollen sie dort auf gar keinen Fall eine Bauschuttdeponie haben. Der Ortsbeirat hat deshalb nun einen gemeinsamen Antrag von SPD, CDU, ÖDP, FDP und Die Linke bei zwei Gegenstimmen der beiden Grünen-Politikerinnen Anke Welzenheimer und Ellen Kubica und einer Enthaltung von Grünen-Fraktionssprecher Robert Opara auf den Weg gebracht.

     

    Ganz konkret fordert das Gremium darin, dass der Steinbruch „Laubenheim“ mit unbelastetem Erdaushub verfüllt werden soll – „wie ursprünglich von der Stadt gegenüber der HeidelbergCement gefordert und genehmigt bzw. dass der Steinbruch direkt in ein Naherholungsgebiet umgewandelt werden“ soll. Und weiter: „Die Menschen und die dortige Umwelt sollen keinen zusätzlichen, nicht kalkulierbaren Risiken ausgesetzt werden.“ Es könne keine adäquate Renaturierung stattfinden, um die Schäden durch die Deponie auszugleichen, da auf der Basisabdichtung mit ihrem Magerrasen nur flachwurzelnde Gewächse angepflanzt werden könnten und dürften. Und eben nicht solche, die einen Haufen Biomasse produzierten. Auf dem 11,2 Hektar umfassenden Deponiekörper seien bei der Rekultivierung lediglich 33 Bäume am Rand vorgesehen. Durch die Deponie werde es eine zusätzlich große Wärmelast geben, die in den immer heißer werdenden Sommern das Klima in Mainz noch weiter aufheize. Wichtige Verdunstungs- und Versickerungsflächen fielen weg, so die Mehrheitsmeinung im Ortsbeirat.

     

    Dass die einzigen Gegenstimmen ausgerechnet von den Grünen kamen, mag auf den ersten Blick kurios klingen. Dürfte aber auch an deren Parteitreue liegen. Schließlich gilt die – in Laubenheim aufgewachsene – grüne Umweltdezernentin Katrin Eder als klare Befürworterin der innenstadtnahen Bauschuttdeponie. Da ist es eher schon beachtlich, dass Opara konstatierte, er sei „auch kein Freund von der Deponie“. Er betonte im gleichen Atemzug, er sei „ein Freund von Wäldern. Das ist das, was mir hier im Umfeld sehr stark fehlt“. Und er gab zu bedenken: „Selbst wenn wir den Steinbruch mit unbelastetem Erdaushub verfüllen, werden auch Teile der Begrünung verschwinden. Auf der anderen Seite sehe ich auch hier keine Versiegelung, denn es wird ja eine Begrünung geben. Und man muss sich auch die Frage stellen, wieso wir jetzt Wald in diesem Bereich fordern. Wäre uns der Wald wirklich so wichtig gewesen, hätten wir ihn für den jetzt schon stillgelegten Bereich längst fordern können.“

     

    „Als Naherholungsgebiet ausweisen“

     

    Sozialdemokratin Dr. Gitta Weber stellte klar, dass man den Bruch „von mir aus gar nicht zu verfüllen braucht. Aber seitens der Stadt und der grünen Umweltdezernentin wird ja immer auf die Verfüllverpflichtung gepocht“. Weber weiter: „Entweder bleiben wir beim unbelasteten Material, oder wir ziehen die Verfüllverpflichtung wieder zurück – man könnte da ja auch einen Biotechnik-Campus reinbauen, da suchen wir ja auch noch Flächen. Es gibt alle möglichen besseren Ideen, als das Gelände nachhaltig zu verschandeln. Grund und Boden und die Fläche in dieser stadtnahen Gegend sind viel zu wertvoll.“ Ideal wäre es aus Sicht der Diplom-Chemikerin, „ein Stückchen Natur zu schaffen, zu renaturieren, Wälder wieder entstehen zu lassen – und nicht alles platt zu machen“.

     

    CDU-Fraktionssprecherin Annette Wöhrlin bekräftigte dies. „Uns ist wichtig, dass dieses Areal als Naherholungsgebiet ausgewiesen werden kann. In der Nachbarschaft könnte ein schöner Wanderweg für die Weisenauer entstehen. Wir brauchen wirklich als so belasteter Stadtteil, der Weisenau ohnehin schon ist, nicht auch noch diese Mülldeponie.“ Kritik an den Deponieplänen äußerte auch der Freidemokrat Herbert Egner. „Man kann sich nicht die Rosinen rauspicken und einerseits von der Verfüllverpflichtung sprechen, andererseits aber das Füllmaterial in der Schadstoffklasse Schritt für Schritt anheben“, so der Liberale. „Man kann damit Geld verdienen und ich nehme an, dass das eine sehr große Motivation ist angesichts der Finanzlage der Stadt Mainz. Aber ursprünglich hatte doch Konsens bestanden, dass wir völlig unbelastetes Material verwenden, weil es ein Naherholungsgebiet werden sollte.“ Nicht nur für die unmittelbaren Steinbruch-Anwohner, sondern für alle Weisenauer sei die Zukunft des Geländes ausgesprochen wichtig.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung / 04.02.2021

     

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