Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Laubenheimer Steinbruch: Pionierwald bleibt großteils erhalten

    Laut Stadt ist im Bereich der geplanten Deponie durch die Rekultivierung ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen von insgesamt 13,63 Hektar geplant. (Archivfoto: Göriach)
    Laut Stadt ist im Bereich der geplanten Deponie durch die Rekultivierung ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen von insgesamt 13,63 Hektar geplant. (Archivfoto: Göriach)

     

    Gegner der Bauschuttdeponie im Laubenheimer Steinbruch sorgen sich um die Vegetation. Die Umweltdezernentin versichert: 97 Prozent bleibe erhalten, und es entstehe ein Biotop.

     

     

    Von Carina Schmidt Lokalredakteurin Mainz

     

     

    MAINZ - Während in Hartenberg-Münchfeld von Initiativen, Bürgern und Politikern um den Erhalt des ein Hektar großen Waldstücks „Am Heiligenhaus" gekämpft wird (diese Zeitung berichtete), sorgt sich die Bürgerinitiative „Mainz

    21- Nein zur Mülldeponie im Mainzer Steinbruch" am anderen Ende der Stadt um einen bisher noch nicht thematisierten Grünbestand: den Pionierwald im Laubenheimer Steinbruch. Dabei handelt es sich um die sogenannten

    Erstbesiedler-Pflanzen, die eine besondere Anpassungsfähigkeit bei neuen, noch vegetationsfreien Flächen haben.

     

     

    BI-Sprecher Antonio Sommese befürchtet die Rodung dieser Vegetation und meint, dass Mainz dadurch die Chance auf einen Wald und Frischluftzufuhr verliere. „Es kann noch nicht einmal eine adäquate Renaturierung stattfinden, um die Schäden durch die Deponie auszugleichen“, kritisiert er. Auf der Basisabdichtung dürften nur flachwurzelnde Gewächse angepflanzt werden. Auf dem Areal seien bei der Rekultivierung lediglich 33 Bäume am Rand vorgesehen. Das sei ein Witz.

     

    Wie Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) auf Nachfrage informiert, befinde sich der Pionierwald im westlichen und südlichen Randbereich des ehemaligen Steinbruchgeländes. „Er liegt zu 97 Prozent außerhalb der geplanten Deponie und bleibt weitestgehend erhalten“, versichert Eder. Lediglich ein kleiner Streifen am südlichen Rand und damit drei Prozent werde beansprucht. Hier sehe der Rekultivierungsplan die Entwicklung von Extensiv-Grünland als Übergang zu den großflächigen Pionierwaldbeständen außerhalb des Deponiegeländes vor.

    Lebensräume mosaikhaft miteinander verknüpft

     

    Der Pionierwald habe durchaus einen hohen Biotopwert, betont die Grünen-Politikerin: „Zum klaren Schutz des als hoch beziehungsweise sehr hoch bewerteten Waldbereiches wurde eine sogenannte Verfüllgrenze gezogen, die diese Biotopstrukturen ausgrenzt.“ Im Bereich der geplanten Deponie werde mit der Rekultivierung ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen von insgesamt 13,63 Hektar wiederhergestellt. Dabei handele es sich um einem Wechsel aus Pionierwald, Offenlandflächen, feuchten Bereichen, Gehölz- und Heckenstrukturen. Gerade dieses mosaikhafte Zusammenspiel aus unterschiedlichen Lebensräumen gebe dem späteren Biotop seine Bedeutung. „Dieses durchdachte, ökologische Renaturierungskonzept stieß insbesondere bei den Naturschutzverbänden und Naturschutzbehörden auf breite Anerkennung“, so Eder.

     

    Der von der BI beigemessenen Bedeutung des Steinbruchs für die Frischluftzufuhr könne das Umweltdezernat nicht zustimmen. „Die Kaltluft im Bereich der Steinbrüche Laubenheim und Weisenau fließt dem Gefälle folgend in Richtung Rhein ab“, erklärt die Umweltdezernentin. „Die Gunstwirkung der Frisch- und Kaltluft bleibt auf den äußeren, zum Steinbruch gelegenen Siedlungsrand beschränkt. Eine Be-, Durch- und Entlüftung des thermisch und lufthygienisch belasteten Stadtteilzentrums erfolgt somit nicht.“ AZ-Recherchen bestätigen diese Einschätzung zur Klimafunktion des Steinbruchs.

     

    Die BI lehnt die Deponie jedenfalls weiter ab. Man wolle Anwohner und Umwelt keinen Risiken ausgesetzt wissen. Daher bestehe die BI auf einer Verfüllung des Steinbruchs mit unbelastetem Erdaushub. Eder stellt klar, dass bei einer Verfüllung mit Erdaushub ebenfalls drei Prozent Pionierwald wegfallen würden. Wie mehrfach berichtet, besteht für den Steinbruch eine Verfüllungspflicht.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 27.01.2021

     

     

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