Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Mainzer Bauprojekt muss Rücksicht auf Feldhamster nehmen

    Wegen eines neuen EuGH-Urteils zum Artenschutz gilt: Beim Bauprojekt „He 130“ im Stadtteil Hechtsheim muss neu geprüft werden. Auflage: Das Biotop ist zu bewahren.

     

    Von Karin Weber

     

     

    Der Feldhamster, früher ein häufiger Bewohner Rheinhessens, ist heute u.a. wegen intensiver Bewirtschaftungstechniken und monotoner Felderstrukturen bedroht und wird deshalb streng geschützt. Vor allem bei Bauvorhaben. (Foto: Deutsche Wildtier-Stiftung/Manfred Sattler)

     

     

     

    HECHTSHEIM - Kippt der Feldhamster das geplante Neubaugebiet He 130 auf der Hechtsheimer Höhe, obwohl er dort nicht anzutreffen ist? Genau dies befürchtet Konrad Meier. Dabei verwies der Christdemokrat in der vergangenen Ortsbeiratssitzung auf ein rechtskräftiges Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH).

     

    In einer gemeinsamen Anfrage hatten CDU, Freie Wähler und ÖDP Auskunft von der Stadt gefordert, welche Auswirkungen das EuGH-Urteil zu gefährdeten Arten auf den aktuellen Baufortschritt des Wohnquartiers sowie auf zukünftige Hechtsheimer Städtebauplanungen habe. Denn im Juli hatten sich die europäischen Richter in der Rechtssache C-477/19 mit der Beschädigung oder Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie der Ruhe- und Fortpflanzungsstätten der allgemein als „Feldhamster“ bezeichneten geschützten Art „Cricetus cricetus“ befasst.

     

    „Das EuGH hat eindeutig festgelegt, dass Ruhe- und Fortpflanzungsstätten von Feldhamstern auch dann nicht zerstört werden dürfen, wenn die Tiere diese zwar nicht mehr nutzen, aber womöglich dorthin zurückkehren könnten“, erläuterte Konrad Meier, wobei er das Wort „könnten“ besonders betonte.

     

    Da die Gemarkung Hechtsheim in der Vergangenheit und teilweise bis heute von Feldhamstern besiedelt wurde und werde, stelle sich die Frage, ob das aktuelle Bauvorhaben vom Urteil betroffen sei.

     

    Die Christdemokraten monierten die Antwort der Baudezernentin Marianne Grosse: Sie hatte aufgezählt, dass neben einer Reihe von vertiefenden Umwelt-Fachgutachten auch ein Artenschutzgutachten erstellt worden sei. Dazu sei die landwirtschaftliche Fläche auf das streng geschützte Nagetier hin untersucht worden. „Diese besteht aus Löß und ist für ein Auftreten des Feldhamsters prinzipiell geeignet. Es wurden aber keine Feldhamster gefunden“, so Grosse.

     

    Der Hechtsheimer Winzer mahnte: „Wenn der Boden grundsätzlich geeignet ist, heißt das, es darf nicht gebaut werden – auch wenn der Feldhamster noch gar nicht da ist!“ Daher sollte noch mal genaustens geprüft werden. Nicht, so Meier, dass das im Stadtteil wohlbekannte Nagetier das gesamte Vorhaben während der Bauphase stoppe.

     

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung / 07.11.2020

     

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