Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Eine Frage des Abstands

    Von Julia Sloboda
    Stellvertretende Redaktionsleiterin Mainz
    Auf der hellen viereckigen Fläche oberhalb des Großberghangs soll das Wohnquartier Hechtsheimer Höhe entstehen. Links daneben ist der ehemalige Steinbruch zu sehen. Dort soll einmal die Bauschuttdeponie entstehen. (Archivfoto: GVG/Costard)
    Auf der hellen viereckigen Fläche oberhalb des Großberghangs soll das Wohnquartier Hechtsheimer Höhe entstehen. Links daneben ist der ehemalige Steinbruch zu sehen. Dort soll einmal die Bauschuttdeponie entstehen. (Archivfoto: GVG/Costard)

     

    MAINZ -

    Wie groß ist der Abstand zwischen der geplanten Bauschuttdeponie im Laubenheimer Steinbruch und dem Neubaugebiet „Wohnquartier Hechtsheimer Höhe“ (He 130)? Diese Frage wurde zuletzt mehrfach diskutiert.

     

    Die Bürgerinitiative „Mainz21 – Nein zur Mülldeponie in Mainz“ hatte bereits Ende Juni moniert, dass der im Stadtratsbeschluss von 2015 festgehaltene Mindestabstand zur Wohnbebauung von 360 Metern plötzlich nur noch 240 Meter betragen solle.

     

    Eine anschließende Anfrage der CDU Weisenau im Ortsbeirat an Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) ergab dann, dass der Abstand zum nächstgelegenen realisierbaren Wohngebäude etwa 270 Meter betragen solle. Die Ortsbeiratsmitglieder von ÖDP, SPD und CDU echauffierten sich über Grosses Antwort und warfen ihr unter anderem eine „falsche Aussage“ vor.

     

    Nun hat die Bürgerinitiative die Kritik aus Teilen des Weisenauer Ortsbeirates noch einmal aufgegriffen. „Wie kann es denn sein, dass hier mit falschen Abständen argumentiert wird? Wenn die Baudezernentin bei allen Ihren Antworten so nachlässig ist, dann müssen Orts- und Stadtbeiräte immer kritisch hinterfragen. So wie es der Weisenauer Ortsbeirat gemacht hat“, sagte BI-Sprecher Antonio Sommese.

     

    Beim geplanten Wohngebiet He 130 werde es Bürger zweiter Klasse geben, „da es einen gültigen Stadtratsbeschluss gibt, der bei einer DK II-Deponie einen Abstand von 360 Metern zur Wohnbebauung vorsieht. Bei dem geplanten Wohngebiet sind es nur 240 Meter“, sagte BI-Sprecher Robert Kindl. Im Erläuterungsbericht zum städtebaulichen Rahmenplan für das Wohnquartier Hechtsheimer Höhe werde nicht deutlich, dass die neuen Bewohner direkt an der Deponie wohnen werden, so Kindl weiter.

     

    Auch die Grundstücksverwaltungsgesellschaft Mainz (GVG), die 80 Prozent des Areals erworben hatte, schreibe auf ihrer Webseite kein Wort über die geplante Deponie neben dem Wohngebiet. „So etwas kann doch nicht sein“, sagte Antonio Sommese.

     

    Baudezernentin Marianne Grosse erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, was es mit den Abständen auf sich habe. So sei zwar im Stadtratsbeschluss von 2015 die Rede von 360 Metern zwischen der Wohnbebauung und den DK II-Abfällen. „In der Beschlussvorlage ist jedoch immer die bestehende Wohnbebauung gemeint“, sagte Grosse. Sie wies erneut darauf hin, dass 240 Meter als ausreichender Abstand gutachterlich bestätigt seien. Zwar betrage der Abstand von der Deponie zum Baugebiet 240 Meter, das erste Wohngebäude entstehe aber erst in einer Entfernung von 270 Metern, betonte Grosse.

     

    „Wir brauchen dieses Wohngebiet dringend“, sagte die Dezernentin. Auf der Hechtsheimer Höhe sollen rund 420 Wohneinheiten entstehen und etwa 950 Menschen in Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern leben.

     

    Die Offenlage zum Bebauungsplanverfahren Wohnquartier Hechtsheimer Höhe und damit die nächste Bürgerbeiteiligung strebt die Verwaltung für das erste Quartal 2021 an. Konkret soll der Bebauungsplan in der ersten Gremienrunde auf den Tisch kommen. Die erste Stadtratssitzung im neuen Jahr ist für den 10. Februar geplant. Anschließend könne der Bebauungsplan in die Offenlage gehen.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung Online / 23.10.2020

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