Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Aus Industriebrache soll Wohnquartier werden

     

    Ein Ingelheimer Investor will das ehemalige Dyckerhoff-Gelände in Budenheim bebauen und das dortige kontaminierte Erdreich vorab vor Ort reinigen.

     

    Von Gerhard Wieseotte
    Das ehemalige Dyckerhoff-Gelände liegt an den Straßen Mainzer Landstraße (li.) und Schwarzenbergweg (re.). Derzeit ist der Bereich eingezäunt und durch hohen Bewuchs von keiner Seite einsehbar. (Foto: hbz/Michael Bahr)
    Das ehemalige Dyckerhoff-Gelände liegt an den Straßen Mainzer Landstraße (li.) und Schwarzenbergweg (re.). Derzeit ist der Bereich eingezäunt und durch hohen Bewuchs von keiner Seite einsehbar. (Foto: hbz/Michael Bahr)

     

    BUDENHEIM - Ihr Credo lautet in kurzen, prägnanten Schlagworten: „Boden sanieren. Wohnraum schaffen. Ökologisch vorangehen“. Sie will aus einer Industriebrache am östlichen Rand der Gemeinde Budenheim ein Wohnquartier machen. Die Rede ist von der BG Grundbesitzgesellschaft mbH&Co. KG (BG) aus Ingelheim und dem ehemaligen Dyckerhoff-Gelände in Budenheim.

     

    Rückstände von Mineralöl und Schwermetallen

     

    Bevor hier aber auf dem 6,3 Hektar großen Areal Reihenhäuser, Einfamilienhäuser und Mietwohnungen entstehen können, muss erst einmal der Boden saniert werden. Er ist durch die früheren Nutzungen kontaminiert. Auf dem Gelände war über viele Jahrzehnte ein Steinbruch mit der notwendigen gewerblichen Infrastruktur angesiedelt. Lokomotiven brachten das abgebaute Material über die Werksgleise zum Rheinufer, wo es verladen wurde.

     

    Andererseits nutzte die Gemeinde Budenheim jahrelang das Gelände im östlichen Bereich als Deponie für Trümmerschutt, Hausmüll und Abfälle der örtlichen Gewerbebetriebe. Die Folge: Schwermetalle, Mineralölrückstände und Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) belasten das Erdreich. Eine Sanierung ist, so die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in einem Schreiben vom 12. März 2020, mittelfristig unumgänglich.

     

    Aber wer trägt im Sanierungsfall die immensen Kosten? Findet sich kein Investor, müsste dies womöglich die Gemeinde übernehmen. Mit der BG ist nun ein Projektentwickler gefunden, der bereit ist, hier zu investieren, und der ein konkretes Sanierungskonzept auf den Tisch gelegt hat. Das kontaminierte Erdreich soll so umfassend gereinigt werden, dass ein Wohnquartier entstehen kann. Zentraler Punkt in dem Konzept ist eine Bodenbehandlungsanlage östlich des geplanten Wohngebiets.

     

    In einem Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte Tim Gemünden von der BG die Planungen. Durch die Bodenbehandlung kann ein Großteil des kontaminierten Erdreichs so aufbereitet werden, dass es innerhalb des Geländes für die Maßnahmen im geplanten Baugebiet wiederverwendet werden kann. Nur ein Bruchteil des belasteten Bodens muss auf Deponien entsorgt werden. „Die Bodenbehandlungsanlage trennt das Material: Die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen“, sagt Gemünden. Das sei ökologisch vorteilhaft und ökonomisch sinnvoll.

     

    Die Anlage werde in einer Betonhalle untergebracht, was dafür sorge, dass Lärm- und Staubemissionen nicht in die Umgebung gelangen könnten. Bei dem Recycling wird der Boden ausschließlich mechanisch behandelt, das heißt gesiebt und zerkleinert. Thermische, chemische oder biologische Verfahren werden nicht eingesetzt. Im Hinblick auf die Lärm- und Staubentwicklung wurden Gutachten erstellt, in denen entsprechende Grenzwerte festgelegt wurden, die einzuhalten sind.

     

    Auch die Auswirkungen auf den Verkehr wurden untersucht. Zu rechnen sei mit einer Frequenz von maximal 30 Lkw pro Tag, so Gemünden. Nach Beendigung der Baumaßnahmen – dafür sind fünf Jahre vorgesehen – sei ein Weiterbetrieb der Anlage für mindestens zehn Jahre vorgesehen. Dabei sollen ausschließlich Böden von Baustellen aus dem Umland behandelt werden, die über die gleichen oder vergleichbaren Belastungen verfügen wie die aus dem Dyckerhoff-Gelände.

     

    „Mit dem Konzept zur Sanierung eröffnet sich für die Gemeinde Budenheim die Chance, dass auf einer Industriebrache dringend benötigter Wohnraum geschaffen wird“, betont Gemünden abschließend.

     

    Quelle: Allgemeine-Zeitung / 23.10.2020

     

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