Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Laubenheimer Steinbruch: Deponie oder Badesee?

    Was passiert auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs in Laubenheim? Eigentlich ist eine Bauschuttdeponie geplant, doch im Sommer wurde über einen Badesee diskutiert. (Archivfoto: Alfons Rath)
    Was passiert auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs in Laubenheim? Eigentlich ist eine Bauschuttdeponie geplant, doch im Sommer wurde über einen Badesee diskutiert. (Archivfoto: Alfons Rath)

    Trotz einer Petition für einen Badesee will Mainz und die ansässige Wirtschaft den alten Steinbruch in Laubenheim zur Bauschuttdeponie machen. Dafür gibt es einige Argumente.

     

    Von Julia Sloboda

    Stellvertretende Redaktionsleiterin Mainz

     

    MAINZ - Als das Thermometer während der Sommermonate über 30 Grad geklettert war, die Schwimmbäder nur begrenzt Einlass boten und das Mombacher Rheinufer stark kontrolliert wurde, lag die Lösung plötzlich auf der Hand. Ein Badesee muss her. Genauer: ein Baggersee im Laubenheimer Steinbruch.

     

    Dort, wo eigentlich eine Bauschuttdeponie entstehen soll. Anfang September übergaben die beiden Weisenauer Robert Kindl und Antonio Sommese 3070 Unterschriften aus ihrer Petition an Oberbürgermeister Michael Ebling. Der versprach Kindl und Sommese, die sich in der Bürgerinitiative „MAINZ21 – Nein zur Mülldeponie in Mainz“ engagieren, dass die Forderung noch einmal im Stadtrat geprüft werde. Passend dazu hatten die Fraktionen der CDU und der ÖDP in der vergangenen Ratssitzung noch einmal Anfragen eingereicht. Während die CDU fragte, warum nicht einfach der schon bestehende See auf Weisenauer Seite des Steinbruchs genutzt werden könne, wollte die ÖDP vom Umweltdezernat wissen, warum die Anlage eines Baggersees von der Verwaltung bisher generell verworfen wurde.

     

    Wie bereits im Sommer erteilte das Dezernat von Katrin Eder (Grüne) der Baggersee-Idee erneut eine Absage. Sowohl auf Weisenauer als auch auf Laubenheimer Seite. Die Gründe waren dabei dieselben. Zum einen sei der Schutz des Grundwassers gefährdet, außerdem würden Heerscharen von Menschen mit den damit verbundenen negativen Begleiterscheinungen, wie Verunreinigung, Lärmbelästigung oder Belastung durch Verkehr angezogen werden. Problematisch sei auch die verkehrsmäßige Erschließung, die derzeit nur über die Betriebsgelände der Firma Meinhardt und des Entsorgungsbetriebes möglich sei und dadurch aus Sicherheitsgründen nicht zu verantworten.

     

    Vorerst keine neuen Bademöglichkeiten für Mainz

     

     

    Für die Anlage einer Bademöglichkeit aus Gewässersicht kämen nur die Rheinauen in Laubenheim und Mombach in Frage, die aber in Schutzgebieten sowie im festgesetzten Überschwemmungsgebiet des Rheins liegen würden. Auf Nachfrage von Natascha Bauer (CDU) ob nicht ein Rheinschwimmbad möglich sei, entgegnete Katrin Eder: „Wenn Sie einen freien Steiger finden und jemanden, der das Bad betreibt, wüsste ich nicht, was dem entgegen steht.“

     

    BI informiert Ratsmitglieder per Brief über Rüge an SGD SÜD

     

    Die Bürgerinitiative „MAINZ21 – Nein zur Mülldeponie in Mainz“ fordert, dass der Steinbruch in ein Naherholungsgebiet umgewandelt wird. Vor der Stadtratssitzung am vergangenen Mittwoch habe man alle Ratsmitglieder per persönlichem Brief angeschrieben und „über den aktuellen Stand zur Deponie und die Verstöße der Verwaltung gegen den Stadtratsbeschluss vom 02.12.2015“ informiert, teilte die BI in der letzten Woche mit.

     

    - In dem Schreiben sei auch die 13-seitige Rüge der BI an die Struktur- und Genehmigungsbehörde Süd (SGD Süd) enthalten gewesen. Diese hatte die BI verfasst, nachdem die SGD Süd das Protokoll des Erörterungstermins vom Dezember 2019 in den Sommerferien ausgelegt hatte. Darin hätten viele Aspekte gefehlt oder seien verharmlosend dargestellt worden, so die BI, die unter anderem den Abstand vom geplanten Hechtsheimer Wohngebiet „HE130“, die Laufzeit und den Abfallschlüssel nannte.

     

    Während es also derzeit so aussieht, als ob sich in Zukunft keine neuen Bademöglichkeiten für die Mainzer auftun werden, haben die Befürworter der Bauschuttdeponie ihr Anliegen noch einmal erneuert. In einem Appell der Wirtschaft, der von Anja Obermann (Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen), Thomas Weiler (Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Rheinland-Pfalz), Stefan Korus (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Mainz-Bingen) und Peter Karrié (Obermeister der Bau-Innung Mainz) unterzeichnet ist, wird noch einmal auf die Bedeutung der Bauschuttdeponie für die heimische Wirtschaft verwiesen.

     

    Transportwege und -kosten für Bauschutt sparen

     

    Die Wirtschaftsvertreter betonen die hohen Entsorgungs- und Transportkosten bei Bauvorhaben, die mit der Entfernung steigen würden. So seien nicht nur private Bauherren, sondern auch oft defizitär aufgestellte Kommunen teilweise kaum noch in der Lage, diese Kosten aufzubringen. In der Region Mainz seien die Wege zu den nächsten Deponien besonders weit. Die zuletzt vom Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD) erneut ins Spiel gebrachte Deponie in Framersheim sei keine Deponie, sondern ein Wertstoffhof, heißt es im Appell der Wirtschaftsvertreter. „Insbesondere Erdaushub für Kindergärten, Eigenheime, den sozialen Wohnungsbau oder für Infrastrukturprojekte muss zur Deponie nach Kaiserslautern gebracht werden.“ Hier betrage die einfache Entfernung 90 Kilometer.

     

    Die Deponie in Mainz zu errichten, sei eine einmalige Chance, heißt es in dem Appell weiter. „Wird diese Chance vertan, ist für die nächsten 20 Jahre mit einem kontinuierlichen Anstieg der Preisspirale und weiteren Verkehrsbelastungen durch lange Transportwege zu rechnen. Daran ist der ausführenden Wirtschaft nicht gelegen.“

    Falls die Bauschuttdeponie im Steinbruch nicht realisiert wird, gäbe es noch eine weitere Konsequenz, wie aus einer Anfrage der Grünen im Stadtrat hervorgeht. Weil mit Baggersee statt Deponie langfristig eingeplante Konzessionseinnahmen aus der Verfüllungsverpflichtung des Steinbruchs wegfallen würden, könnten sich die Abfallgebühren für die Mainzer „früher als geplant“ um rund elf Prozent erhöhen.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung / 28.09.2020

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