Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Baggersee: Stadt Mainz lehnt Vorschlag ab

    Der Steinbruch in Mainz an der A60 (Archivfoto: Sascha Kopp)
    Der Steinbruch in Mainz an der A60 (Archivfoto: Sascha Kopp)

     

     

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    Die Online-Petition für einen Baggersee in Mainz hat zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Jetzt äußert sich die Stadt. Warum dem Vorschlag eine Absage erteilt wird und ob es eine Alternative geben könnte.

     

     

    Von Michael Heinze und Julia Sloboda

     

    MAINZ - Nachdem die beiden Weisenauer Robert Kindl und Antonio Sommese unter dem Motto „Wir brauchen einen Baggersee!“ [plus-Inhalt] am Samstag eine Online-Petition gestartet haben, hat die Stadt auf diesen Vorstoß reagiert.

     

    Auf die Frage, was die Stadt von der Idee hält, im Laubenheimer Steinbruch einen Baggersee zu schaffen, erklärte Hermann Winkel, Werkleiter des Entsorgungsbetriebs, der Entsorgungsbetrieb habe „zu dieser Idee aus dem August 2015 schon damals erklärt, dass aus Gründen des Grundwasserschutzes ein Badesee mit allen einhergehenden Begleiterscheinungen an dieser Stelle nicht zulässig“ sei. Ein Badesee würde direkten Kontakt zum Grundwasser haben, erklärte Winkel im Gespräch mit dieser Zeitung. „Man kann nicht kontrollieren, was die Nutzer da einschleppen.“ Das könne von Sonnenöl bis hin zu durch Wassersport verursachte Treibstoffe reichen. Eine Deponie werde hingegen mit drei Dichtungskomponenten gesichert, „damit ja kein Schadstoff jemals Kontakt zum Grundwasser bekommt“, so Winkel. Diese Absicherung gebe es beim Badesee nicht. Um hier den Kontakt zum Grundwasser zu vermeiden, sei die Errichtung eines Schutzbauwerkes nötig. Diese Frage stellt sich für die Stadt jedoch nicht.

     

    „Die Flächen sind nicht verfügbar, da es die Verpflichtung zur Verfüllung des Steinbruchs gibt, die von der Genehmigungsbehörde zwingend vorgegeben ist und nach wie vor gilt“, stellt Winkel unmissverständlich klar. Komme man der Verpflichtung nicht nach, könne das strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Durch den Verschluss soll das Grundwasser geschützt werden.

     

    PETITION

    1800 Unterschriften werden benötigt, damit die Plattform openPetition von den zuständigen Entscheidungsträgern eine Stellungnahme einfordert. Am Mittwochabend hatte die Petition rund 2700 Unterstützende, davon gut 2000 aus Mainz. Nach Auskunft des Rechtsamtes der Stadt hat die Online-Petition jedoch keine rechtlich bindende Wirkung. „Sollte der Petitionsbetreiber die Stadt Mainz um eine fachliche Stellungnahme bitten, kommen wir dem Ansinnen selbstverständlich gern nach“, so die städtische Pressestelle.

     

    Hier geht's zur Mainzer Baggersee-Petition

     

     

    „Zugleich hat sich der Mainzer Stadtrat mit breiter Mehrheit im Dezember 2015 sowie erneut im August 2019 für die Realisierung einer Bauschuttdeponie aus Gründen der Entsorgungssicherheit entschieden.“ Die Verfüllung, so der Werkleiter weiter, sei zugleich auf rund 15 Jahre angelegt – danach werde an dieser Stelle „ein attraktives Gebiet für die Naherholung sowie den Naturschutz entstehen, das den gesamten Ortsteil deutlich aufwerten und bereichern wird“. Wie so etwas laufen könne und wie attraktiv so ein Areal am Ende daherkommen könne, sehe man zum Beispiel am heutigen Golfplatz in Budenheim.

     

    Alternativer Standort für See „derzeit nicht bekannt“

     

    Auf die Frage, ob es eventuell einen Alternativstandort in Mainz geben würde, falls ein Baggersee im Laubenheimer Kalksteinbruch nicht möglich wäre, sagte Hermann Winkel: „Ein solcher Standort ist der Stadt derzeit im Stadtgebiet nicht bekannt.“

     

    Unterdessen hat sich Dr. Gitta Weber (SPD), stellvertretende Ortsvorsteherin von Weisenau und wie Kindl und Sommese bei der Bürgerinitiative „MAINZ21 – Nein zur Mülldeponie“ aktiv, zu Wort gemeldet. Auf die Frage, wohin mit dem Müll und dem Bauschutt, den die Neubauprojekte in der Umgebung hervorbringen, wenn nicht in die avisierte Bauschuttdeponie im Steinbruch, erklärte die promovierte Chemikerin: „Unbelasteter Bauschutt muss auch heute schon recycelt werden. Das sieht man gut auf den Großbaustellen wie dem Heiligkreuz-Viertel, wo dann mit dem Abbruchmaterial gleich in unterschiedliche Korngrößen gesiebte Haufen angelegt werden.“ Mit Asbest, polyzyklischen Kohlenwasserstoffen etwa aus Asphaltdecken, Teerpappen oder Dichtmaterial belasteter Bauschutt müsse deponiert werden. „Mainz ist ein Bevölkerungsmagnet, den Menschen muss man auch Freiflächen vor Ort bieten“, so Weber. „Und das möglichst naturbelassen oder sogar renaturiert wie im nördlichen Weisenauer Steinbruch.“

     

    Auch die Stadtratsfraktion der ÖDP hat sich als ausdrückliche Unterstützer der Petition von Robert Kindl und Antonio Sommese zu Wort gemeldet. Der Fraktionsvorsitzende Dr. Claudius Moseler erinnerte daran, dass vor vielen Jahren, als die Erweiterung des Steinbruchs auf der Laubenheimer Höhe zur Diskussion stand, die Idee eines Badesees auch schon Thema gewesen war. „Außerdem hat die ÖDP sich bisher konsequent gegen die Verfüllung des Steinbruchs mit belastetem Bauschutt positioniert. Dazu ist das Gelände viel zu wertvoll und man hätte andere Nutzungsmöglichkeiten.“

     

    Es seien mehr Fantasie und bürgernahe Lösungen in der Politik nötig. Corona-Einschränkungen, Ferienzeit und Hitzewelle würden hier nach einer neuen Lösung schreien, so Moseler. „Angesichts der Räumung der geschützten Flächen am Mombacher Rheinufer und der zu geringen Schwimmbadkapazitäten in Mainz sollten sich die Stadt und der Entsorgungsbetrieb Mainz ernsthaft mit dieser Alternative Baggersee beschäftigen.“ Dazu werde die ÖDP nach den Sommerferien in den städtischen Gremien eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen, kündigte der Fraktionsvorsitzende an.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung / 12.08.2020

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