Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

     · 

    Online-Petition für Mainz: „Wir brauchen einen Baggersee!“

     

    Zwei Weisenauer haben am Wochenende eine Online-Petition gestartet, in der sie einen Baggersee für Mainz fordern. Die Reaktionen sind überwältigend.

     

    Von Michael Heinze

     

    MAINZ - Das Echo ist gewaltig: Unter dem Motto „Wir brauchen einen Baggersee!“ haben Robert Kindl und Antonio Sommese am bislang heißesten Wochenende des Jahres eine Online-Petition gestartet und bis Montag, 11.20 Uhr, konnten die beiden rührigen Weisenauer – vielen besser bekannt als die treibenden Kräfte bei der Bürgerinitiative MAINZ21 „Nein zur Mülldeponie in Mainz“ – auf der größten deutschen Petitionsplattform unter www.openpetition.de bereits 877 Unterstützende für ihr Anliegen gewinnen.

     

    Hier geht's zur Mainzer Baggersee-Petition

     

    Und stündlich werden es mehr. Adressat der Bittschrift ist Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). 1800 Unterschriften werden benötigt, damit openPetition von den zuständigen Entscheidungsträgern eine Stellungnahme einfordert, so ist es auf der Homepage zu lesen. 39 Prozent waren am späten Montagvormittag bereits erreicht.

     

    „Mit dem Laubenheimer Steinbruch verfügt die Stadt über ein geeignetes Grundstück und somit über die Möglichkeit, uns alle in den heißen Sommermonaten eine erfrischende Pause zu gönnen“, finden Sommese und Kindl. Hintergrund: Das Corona-Virus habe „uns allen vor Augen geführt, wie wichtig unsere Heimat für uns alle ist“. Gerade in diesen Zeiten sei es von elementarer Bedeutung, „in einer attraktiven Stadt mit guten Erholungsgebieten zu leben“. Daher wolle man „im Mainzer Steinbruch ein Naherholungsgebiet mit einem Baggersee für alle Einwohner“ schaffen. Nicht zuletzt der Klimawandel zeige deutlich, dass die Temperaturen in den nächsten Jahren weiter anstiegen und „gerade für die Sommermonate eine Abkühlung für jeden Bürger vorhanden sein“ müsse.

     

    Die Unterzeichner sind sich einig, dass eine naturnahe Badegelegenheit zwischen Weisenau, Hechtsheim und Laubenheim – eventuell auch als Naturerlebnisbad nach Bingerbrücker Vorbild – ein richtig cooles Ding wäre. „Das wäre eine sinnvolle Nutzung des Steinbruchs als Naherholungsgebiet und gleichzeitig würde man die Mülldeponie mit ihren Schadstoffen vermeiden“, heißt es in einem Kommentar. Ein anderer schwärmt von einem Baggersee als einer „wohnortnahen Erholung“. Ein dritter findet: „Es wäre sehr sinnvoll, wenn man bei diesen Temperaturen auch die Möglichkeit hätte, in einem Baggersee in Mainz schwimmen zu können – das würde auch das schöne Mainz noch attraktiver machen.“

     

    Andere Kommentatoren weisen darauf hin, der Rhein sei zum Baden zu gefährlich und es müssten „naturbelassene Alternativen“ her. Eine attraktive Naherholung sei ein wichtiger Standortfaktor, verbessere die Lebensqualität vieler Mainzer signifikant und ein schöner See ziehe zudem „weitere Touristen und damit Einkünfte nach Mainz“. Ein Baggersee sei „eine deutlich bessere Idee als eine Mülldeponie“.

     

    Auch skeptische Stimmen

     

    Zumal es in der direkten Nähe „leider keine Badeseen“ und mithin keine Möglichkeit gebe, sich chlorfrei zu erfrischen – und die wenigen halbwegs erreichbaren in Leeheim, Gimbsheim oder Eich dann überfüllt seien. Lediglich zwei öffentliche Schwimmbäder seien „ein ziemlich schlechter Witz“ für eine Landeshauptstadt. „Wir fahren immer nach Gimbsheim, so wie viele weitere Mainzer auch“, schreibt ein Kommentator. Mainz wäre näher und er fände es prima, wenn der neue Baggersee auch für Stand Up Paddling offen stünde.

     

    Während es also ganz viele Pro-Argumente gibt, ist da durchaus auch die eine oder andere skeptische Stimme, die der Meinung ist, ein Baggersee an dieser Stelle habe der Stadt gerade noch gefehlt – im negativen Sinne. So sei zum einen der ehemalige Kalksteinbruch „teilweise als Deponie vorgesehen“, zum anderen müsse man „nicht noch das letzte Fleckchen, das stadtnah ein wenig Ruhe bietet, in einen Remmi-Demmi-Halli-Galli-Ort verwandeln“. Kritik, die gewiss auch der eine oder andere Steinbruch-Anwohner teilt, dem der Autolärm von der A60 und der Fluglärm vom Doppelstrahlanflug auf den Rhein-Main-Airport schon vollkommen ausreicht und dem etwaige neue Belastungen durch Menschenmassen, Umweltverschmutzung, Parksuchverkehr und Co. ein echter Graus sind.

     

    Quelle: AZ-Bericht / 10.08.2020

     

    Die Initiatoren der Online-Petition sehen im Laubenheimer Steinbruch einen geeigneten Ort, um dort einen Baggersee anzulegen. (Foto: Lukas Görlach)
    Die Initiatoren der Online-Petition sehen im Laubenheimer Steinbruch einen geeigneten Ort, um dort einen Baggersee anzulegen. (Foto: Lukas Görlach)

    Kommentar schreiben

    Kommentare: 0