Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    F.A.Z. - Die Tage der Mülldeponie in Flörsheim-Wicker sind gezählt.

    Mülldeponie Wicker Alle gegen Schlacke

     

    Die Tage der Mülldeponie in Flörsheim-Wicker sind gezählt. Ausschlaggebend dafür ist, dass die Anwohner das Vorhaben ablehnen.

     

    Von Jan Schiefenhövel

     

    Deponie auf der Deponie: Auf der rot umrandeten Fläche der Deponie Wicker (blau) sollte Schlacke gelagert werden.  RMD GmbH
    Deponie auf der Deponie: Auf der rot umrandeten Fläche der Deponie Wicker (blau) sollte Schlacke gelagert werden. RMD GmbH

    Die Mülldeponie in Flörsheim-Wicker wird in wenigen Jahren geschlossen. Eine „Deponie auf der Deponie“, eine Ablagerung von Schlacke auf den Hausmüllbergen aus den vergangenen Jahrzehnten, wird es nicht geben. Das hat der Kreistag des Main-Taunus-Kreises am Montagabend einstimmig entschieden. Das Konzept für eine weitere Nutzung wird damit verworfen, für die Prüfung dieser Idee darf kein Geld mehr ausgegeben werden. Nach dem Konzept hätten Schlacke und Erdaushub weitere 20 Jahre lang bis zu 20 Meter hoch auf der Deponie abgelagert werden sollen.

     

    Entsprechende Anträge hatten die SPD und die Koalition aus CDU, Grünen und FDP vorgelegt. Nach dem Beschluss muss die Kreisspitze die Fraktionen über die Kosten der nun abgelehnten Planung informieren. Ebenfalls muss die Verwaltung darlegen, wie teuer die Nachsorge auf der Deponie in den nächsten Jahrzehnten wird und wie diese Ausgaben aufgebracht werden sollen. Damit ist die technische Kontrolle der Müllberge gemeint, die laufend auf Schadstoffe untersucht werden. Zum Beispiel wird das Sickerwasser aufgefangen und geklärt.

     

    Redner von Koalition und Opposition sagten, den Anwohnern in Hochheim und Flörsheim sei eine weitere Nutzung der Deponie nicht zuzumuten. Frank Blasch (CDU) hob hervor, die Akzeptanz der Erweiterungspläne in der Bevölkerung müsse gleichwertig zu wirtschaftlichen Fragen berücksichtigt werden. Die Ablehnung einer Deponie auf der Deponie sei „mehr als nachvollziehbar“. Die Anwohner hätten schon über Jahrzehnte die Belastung durch die Deponie, den Geruch und den Verkehr, ertragen müssen.

     

    Renate Mohr (Die Grünen) sagte, die Angst der Flörsheimer und Hochheimer vor einem weiteren Betrieb sei verständlich. Dirk Westedt (FDP) sah „keine überzeugenden Argumente für eine Deponie auf der Deponie“.

     

    Zu große Zumutung für die Anwohner

     

    Michael Antenbrink (SPD) sagte, den Anwohnern in der Nähe der Müllberge sei schon in der Vergangenheit zu viel zugemutet worden. Schon als vor einem Jahr das Konzept für die Erweiterung bekanntgeworden sei, habe die SPD deshalb ihre Zweifel an der Idee gehabt. Von Anfang an sei absehbar gewesen, „dass ein solches Projekt nicht durchzusetzen ist“. Ein Nachweis, dass sich die Ablagerung von Schlacke für weitere 20 Jahre gelohnt hätte, sei nicht erbracht worden. Deshalb sei es unverständlich, warum die Pläne überhaupt geprüft worden seien.

     

    Nach den Worten von Michael Antenbrink hat das Betreiberunternehmen der Anlage, die Rhein-Main-Deponie-Gesellschaft (RMD), dafür einen Millionenbetrag aufgewendet. Beate Ullrich-Graf (Die Linke) sagte, mit der Müllhalde gebe es auch ohne die Erweiterung genug Schwierigkeiten. Nach unten, zum Grundwasser hin, fehle der Deponie eine Abdichtung. Mit einer Sondererlaubnis seien in den vergangenen Jahrzehnten neben Hausmüll auch Industrieabfälle angenommen worden.

     

    Frank Blasch sagte, der Grund für die finanzielle Schieflage, in welche die Deponiegesellschaft geraten sei, liege in der Finanzkrise und der Niedrigzinsphase seitdem. Außerdem habe die Gesellschaft „unternehmerische Fehlentscheidungen“ getroffen. Aus manchen ihrer Vorhaben sei kein Erfolg geworden, sagte der CDU-Kommunalpolitiker mit Blick auf die Tätigkeit der Rhein-Main-Deponiegesellschaft im Recycling und bei der Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen.

     

    Auch Antenbrink sprach von der Finanzkrise als Ursache für Verluste, er verteidigte aber das Geschäft mit der Erzeugung von Strom aus dem Deponiegas, das durch die Zersetzung des Abfalls entsteht. Allein im Jahr 2018 seien damit Strom und Wärme für 34.000 Haushalte erzeugt worden, man habe die Entstehung von 132.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Die Deponiegesellschaft müsse beauftragt werden, neue Vorhaben dieser Art, die dem Klimaschutz dienten, zu entwickeln.

     

     

     

    Quelle: F.A.Z. / 16.06.2020

     

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