Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

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    Ärzte kritisieren Deponie-Pläne

    Der Steinbruch soll mit Bauschutt verfüllt werden. Die BI spricht indes von Sondermüll. Archivfoto: Sasch Kopp
    Der Steinbruch soll mit Bauschutt verfüllt werden. Die BI spricht indes von Sondermüll. Archivfoto: Sasch Kopp

    Laubenheimer Steinbruch: Ärzte kritisieren Deponie-Pläne

     

    Kontroverse in Mainz: Kurz vor dem Erörterungstermin zu den Deponieplänen melden sich Mediziner zu Wort. Entsorgungsbetrieb will Abfallschlüssel nochmals überprüfen lassen.

     

    LAUBENHEIM / HECHTSHEIM / WEISENAU - Es sind vermutlich die letzten Gelegenheiten, um über das Großprojekt Bauschuttdeponie in Laubenheim im großen Stil zu diskutieren. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden am Dienstag, 10. Dezember, und Mittwoch, 11. Dezember, jeweils von 10 Uhr im Kurfürstlichen Schloss Erörterungstermine angeboten. Bei Bedarf soll am Donnerstag ein dritter Termin angeboten werden. Gegenstand der Veranstaltungen: die erhobenen Einwendungen gegen die Deponie und die Stellungnahmen der Behörden, die das Vorhaben unterstützen. Die Bürgerinitiative „Mainz 21 – Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch“ hat sich bereits mit großer Personenzahl angekündigt. Seit vier Jahren kämpft sie gegen das Vorhaben und will auch auf den letzten Metern nicht die Flinte ins Korn werfen

     

    Laut einer der AZ vorliegenden Telefonnotiz zwischen der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd als Genehmigungsbehörde der Deponie und dem Entsorgungsbetrieb als künftiger Betreiber gibt es eine überraschende Entwicklung im dem Streitfall. Demnach soll die Liste der zulässigen Abfallschlüssel für die Deponie nochmals überarbeitet werden. Sprich: Einige Abfälle könnten daraus gestrichen werden. Möglich sei auch eine Mengenbegrenzung dieser Abfälle, heißt es im dem Schreiben. Die Art der Ablagerung solle gegebenenfalls über Nebenbestimmungen wie „Bigpacks“ als Verpackung geregelt werden. Weiter werde der Entsorgungsbetrieb im Wohngebiet ein qualitatives Staubmonitoring anbieten, zu dem ein zusätzlicher Erörterungstermin angeboten werde.

    Diese Kehrtwende ist eine direkte Reaktion auf mehrere Offene Briefe von Mainzer Ärzten, die der Errichtung der Deponie im Steinbruch kritisch gegenüber stehen. Bei den ersten Adressaten handelt es sich um das Ehepaar Dr. Dietlind und Dr. Pirmin Habermehl, das in Hechtsheim eine Gemeinschaftspraxis führt. Die Habermehls könnten an dem Thema aber auch ein privates Interesse verfolgen. Denn sie wohnen in Weisenau in der Straße „Am Großberg“, in unmittelbarer Nähe zum Steinbruch, wie aus dem Briefkopf hervorgeht. Bei diesem singulären Schreiben blieb es nicht. Auch die Mainzer Ärzte Dr. Uta und Dr. Sebastian Dippold (Hals-, Nasen und Ohrenheilkunde), Dr. N. Günes (Radiologin). Ehab Shahock (Facharzt für Innere Medizin), Katrin Schild (Fachärztin für Radiologie) und Stefanie Licht (Psychiatrie-Ärztin) wendeten sich mit dem identischen Wortlaut an Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne).

     

    IM ORTSBEIRAT WEISENAU

     

    Zum fraktionsübergreifenden Beschlussvorschlag im Weisenauer Ortsbeirat, das Gelände des ehemaligen Steinbruchs mit unbelastetem Aushub zu verfüllen, teilt Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) mit: „Das Deponie-Vorhaben befindet sich im abfallrechtlichen Genehmigungsverfahren, in dessen Rahmen die SGD Süd als zuständige Genehmigungsbehörde auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gefordert hat.“ Diese Prüfung umfasse die Auswirkungen des Vorhabens auf menschliche Gesundheit, Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt, Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft, Kulturgüter und sonstige Sachgüter sowie die Wechselwirkungen zwischen den Schutzgütern. Grundlagen der Prüfung seien die für den Standort erstellten Fachgutachten. Die Planung sehe einen umweltverträglichen Betrieb der Deponie vor. Gesundheitsrisiken für Nachbarschaft und Umweltrisiken sowie Schäden an benachbarten Gebäuden stünden nicht zu befürchten. (MIH)

     

    Die einhellige Meinung der in Weisenau, Bretzenheim und der Oberstadt wohnenden Mediziner: Nach den ausgelegten Unterlagen gelte es als gesichert, dass die Planung von offizieller Seite „eine eklatante Verharmlosung der tatsächlichen Umstände“ sei. Mit Entsetzen habe man zur Kenntnis genommen, dass rund ein Drittel der Abfälle als gefährlich eingestuft werde. „Die Exposition gegenüber solcher sich im Körper anreichernden Gifte mit ihren toxikologischen Auswirkungen, vor allem auf Kinder, ist aus kinderärztlicher Sicht keinesfalls vertretbar“, heißt es in den Briefen. Und sie fordern, die Planungen im Hinblick auf die durchaus gefährlichen Abfallschlüsselnummern nochmals zu überarbeiten.

     

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung / 10.12.2019

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