Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    Linde-Abbruchgelände keine Sondermüllhalde

    Von Wolfgang Wenzel

    In Kostheim ertönt der Ruf nach einer schnellen Entsorgung von großen Mengen von Glasfaser-Dämmstoff. Dem Wohnungsbauunternehmen Bücher ist der Vorfall peinlich.

    KOSTHEIM - Für Wirbel sorgen rund 800 Säcke mit gesundheitsschädlichem Glasfaser-Dämmmaterial, die auf dem Linde-Abbruchgrundstück unter freiem Himmel herumliegen. „Wir sind bemüht, eine entsprechende Stelle zu finden, die uns das Material abnimmt“, sagte Projektleiter Werner Wittke von der Idsteiner Wohnungsbaufirma Bücher. Es seien keine kleinen Mengen, sondern Massen, die nicht von Wertstoffhöfen angenommen würden. Dem Unternehmen gefielen die Zustände auch nicht. Immerhin habe das Regierungspräsidium, vertreten durch das Amt für Arbeitsschutz, die Baustelle am Montag inspiziert und bestätigt, dass sich alles im Rahmen des Zulässigen bewege.


    Die AUF-Fraktion forderte eine rasche Klärung. Sie sei entsetzt: „Das muss sofort entsorgt werden“, sagte Ortsbeiratsmitglied Marion Mück-Raab. Die Baustelle sei keine öffentliche Sondermüllhalde und kein Aufbewahrungsort für gesundheitsschädliche Stoffe. Nicht alle Säcke seien dicht, manche schon beschädigt. Tiere könnten herangehen, sonderlich gesichert sei die Baustelle auch nicht. Starker Wind verwirble die Inhaltsstoffe in der Umgebung, es regne stark, die Mineralwolle verrotte, die AUF sei besorgt. Sie könne verstehen, dass die Anwohner in der Kostheimer Landstraße in Unruhe seien, und habe sich an die Ortsverwaltung gewandt. Mit der Aufforderung, dass sich die „zuständigen Stellen in Wiesbaden“ die Sache in Kostheim einmal anschauten.


    Baustelle nicht extrem belastet


    Die Dämmstoffe stammen überwiegend von den Dachaufbauten des früheren Linde-Kältetechnikwerks. Die Abbruchfirma hatte von einem Entsorgungsengpass gesprochen. Die Glaswolle-Menge sei so groß gewesen, dass sie 30 000 Säcke gefüllt habe. Hinzu sei das mit PCB verseuchte Fugenmaterial aus den Fassaden des Werks gekommen. Für die Verzögerungen gebe es Gründe, die Feiertage seien dazwischengekommen, sagte Projektleiter Wittke. Die Firma Bücher will zusammen mit der städtischen Wohnbaugesellchaft (GWW) auf dem Grundstück rund 800 Wohnungen errichten. Nach dem Stand der Dinge sei die Baustelle mit ihrer industriellen Vergangenheit als nicht extrem belastet einzustufen. Damit alles seinen geregelten Gang nehme, begleite das Krifteler Ingenieurbüro HPC den Abbruch im Hinblick auf belastetes Material. Das Regierungspräsidium werde grünes Licht geben, wenn ein Entsorgungsweg für die Glaswolle-Ballen gefunden sei.

     

    Die Bevölkerung solle wissen: „Wir arbeiten nach Vorschrift“, sagte der Projektleiter. In Säcke eingepackt, sei das Material ungefährlich. Gegen „jugendliche Chaoten“, die auf das Grundstück gelangten und eventuell Säcke zum Platzen brächten, ohne über ihren Inhalt Bescheid zu wissen, sei das Unternehmen jedoch auch nicht gefeit.


    Die AUF erinnerte daran, dass schon zu Zeiten, in denen das aufgegebene Werk noch stand, jahrelang die Ruine Ziel von Jugendlichen gewesen sei, die darin herumstromerten oder Graffiti sprühten.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung - 09.01.2019

    Kommentar schreiben

    Kommentare: 0