Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    Sorge wegen Säcken: Krebserregende Glaswolle auf Linde-Terrain

    Von Wolfgang Wenzel

    Auf dem Linde-Abbruchgrundstück in Wiesbaden liegen seit Wochen Säcke mit krebserregenden Stoffen umher. Anwohner sind in Sorge.

     

    Weiße Säcke auf dem Gelände. Aufschrift: "Mineralfaserabfälle. Inhalt kann krebserregenden Feinstaub freisetzen".    Foto: hbz/Michael Bahr
    Weiße Säcke auf dem Gelände. Aufschrift: "Mineralfaserabfälle. Inhalt kann krebserregenden Feinstaub freisetzen". Foto: hbz/Michael Bahr

     

    KOSTHEIM - Hunderte von Plastiksäcken mit brisanten Inhalt lagern auf dem Linde-Terrain am Floßhafen. Der Inhalt: krebserregende Glaswolle und andere Mineralfasern, die vom Abbruch des Werks stammen. Grund für die lange Zwischenlagerung sei ein Entsorgungsengpass, hieß es bei der mit der Demontage beauftragten Aschaffenburger Firma Peter Kolb.

    Einige Anwohner sind in Sorge um ihre Gesundheit. Ihnen wäre es am liebsten, wenn eine öffentliche Stelle die Baustelle begutachten würde. Es wäre beruhigend, würde jemand draufgucken, der nicht dem Investor nach dem Mund rede. Auf dem Terrain am Floßhafen wollen die Idsteiner Firma Dietmar Bücher und die städtische Wohnbaugesellschaft (GWW) 800 Wohnungen errichteten. Bis zum Frühsommer ist die Firma Peter Kolb noch beschäftigt mit dem Abbruch.

    3.000 Säcke mit Mineralwolle

    Die Entsorgung von mit Schadstoffen belastetem Baumaterial sei ein Thema, es werde auch eines bleiben, hieß es in dem Unternehmen. Beim Abbruch des Linde-Werks seien rund 3.000 Säcke voll mit Mineralwolle angefallen. Über zwei Drittel seien von einer Fachfirma schon entsorgt, die jetzt auf eine Freigabe durch die Behörde für den Rest warte. Das Material sei zum Entsorgen angemeldet, 2018 seien die Kapazitäten erschöpft gewesen. Man hoffe, dass das Entsorgen in diesem Jahr über die Bühne gehe, hieß es von der Firma Kolb, die in Aschaffenburg ihren Sitz hat.

    Den Anwohnern, die seit Monaten mit den Abbrucharbeiten für ein neues Wohnviertel konfrontiert werden, ist jedoch unbehaglich zumute. In dem trockenen Sommer 2018 sei auf dem Terrain eine Menge Staub aufgewirbelt worden. Vermutlich seien dabei auch ungesunde Dinge durch die Gegend getragen worden. Dass bei der Demontage der Bauten Schutzvorkehrungen getroffen und „Herren in Weiß“ die Arbeiten ausgeführt hätten, habe auch nicht zur Beruhigung beigetragen, sagte die Anwohnerin Spyra. Die Säcke lägen jetzt bei Wind und Wetter auf dem Grundstück herum. Sie habe sich an die Polizei gewandt. Den Eindruck, dass auf der Baustelle Vorgaben nicht eingehalten würden, könne man nicht auf die leichte Schulter nehmen.
     
    Das Abbruchunternehmen hat nicht nur mit Glasfasern zu kämpfen, sondern auch mit anderen schädlichen und giftigen Materialien. Mit aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und polychlorierten Biphenylen (PCB). Letztere sind ein Bestandteil von Dichtmassen, die aus den Fugen in der Fassade des Werks herausgekratzt worden seien. Dieses Material sei in Plastikfässern zum Abtransport verpackt worden. Mit Kohlenwasserstoffen belasteter Bauschutt sei auf dem Linde-Terrain separat zusammengefasst worden.

    Letzte Halle wird abgetragen

    Im Moment werde die letzte große Halle des Linde-Werks abgetragen. Bis Ende des Monats würden die oberirdischen Bauteile demontiert, anschließend gehe es in den Untergrund. Fundamente und alte Kühlwasserbecken würden mit den Methoden der Tiefenzertrümmerung zerlegt. Auf der Baustelle in Kostheim sei viel Gerät zusammengezogen worden. Jetzt nach dem Abschluss der Arbeiten an der Schiersteiner Autobahnbrücke stünden die Bagger zur Verfügung. Anwohner sehen den Arbeiten mit Sorge entgegen. Sie befürchten, dass sich die Druckwellen im Boden fortsetzen und ihre Häuser aus den 1920er Jahren „zum Wackeln“ bringen.

    Für die Entsorgung von Glaswolle und anderen schädlichen Mineralfasern haben die städtischen Entsorgungsbetriebe (ELW) im Dyckerhoffbruch Raum geschaffen. Es gebe dort keinen Entsorgungsstau, sagte ELW-Sprecher Frank Fischer. Privatleute müssten, Gewerbebetriebe könnten dort das Material anliefern oder sich andere Wege suchen: „Das ist eine Kostenfrage“, sagte Fischer. Solange die Säcke dicht seien, gehe von ihnen keine Gefahr aus. In einer Presse werde das Material zertrümmert und verdichtet, damit es stabil genug für den Einbau in eine Deponie sei.


    Quelle: Allgemeine Zeitung - 08.01.2019

     

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