Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    Geplante Mülldeponie: Bürgerinitiative befürchten Giftstoffe

    Quelle: Allgemeine Zeitung vom 22.08.2018 / Archivfoto: Harald Kaster
    Quelle: Allgemeine Zeitung vom 22.08.2018 / Archivfoto: Harald Kaster

    Von Carina Schmidt

     

    Ende 2015 hat der Stadtrat die Verfüllung des Steinbruchs beschlossen – mit mineralischen Abfällen. Dass es dabei bleibt, bezweifeln die Gegner. Mehr noch: Sie befürchten, dass bereits bei der jetzigen Planung eine Gefahr für die Anwohner besteht.

     

    LAUBENHEIM - Knapp sechs Wochen nachdem die Stadt die Planfeststellungsunterlagen für die Errichtung einer mineralischen Deponie veröffentlicht hat, melden sich die Gegner mit heftiger Kritik zu Wort. Nachdem die Vertreter der Bürgerinitiative „Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch“ die sieben Ordner umfassenden Unterlagen durchgeackert haben, sehen sie alle ursprünglichen Befürchtungen bestätigt. Nämlich dass die Stadt die Bürger bewusst täuscht und zu vergiften droht. Als Experten zieht die BI Mitstreiterin Dr. Gitta Weber und Dr. Jürgen Fröhlich heran, beide Chemiker.

     

    Wie mehrfach berichtet, hatte der Stadtrat Ende 2015 mit überwältigender Mehrheit den Weg für die geplante Bauschuttdeponie frei gemacht. Nur wenige Wochen vor dem Beschluss war von der Bürgerinitiative „Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch“ noch ein dicker Ordner mit 4894 Unterschriften von Gegnern bei der Stadt eingereicht worden.

     

    VERFÜLLUNG

    Die Stadt plant die Verfüllung des Steinbruchs mit mineralischen Materialien, also Erdaushub der Deponieklassen (DK) I und II. Laut Verwaltung handelt es sich dabei um 1,7 Millionen Kubikmeter DK I und 550 000 Kubikmeter DK II.

     

    Bürgermeister Günter Beck: keine asbesthaltigen Stoffe

     

    Die Kritik im Detail: Gitta Weber hatte etwa den Katalog der Abfallschlüssel analysiert. „Ich kann versichern: Das dreckige Dutzend ist dabei“, sagte sie. So ordnete Weber in einem eigenen Dokument sämtlichen Abfallstoffen mögliche Auswirkungen wie Krebs, Vergiftungen und Gestank zu. Darunter auch Dioxin, Quecksilber und Asbest. Zwar würde kein Asbest in Tüten, aber mit Asbestfasern angereicherter Bauschutt abgekippt werden.

     

    Eigentlich sollte laut Stadt außerdem keine Asche aus dem städtischen Müllheizkraftwerk in den Steinbruch, berichtet Weber weiter. Stattdessen würde Filterstaub in der Deponie entsorgt, habe sie aus den Unterlagen entnommen.

     

    Wenn die Deponie erst mal laufe, würden nach und nach auch ursprünglich nicht vorgesehene Stoffe abgelagert werden, zeigten sich die BI-Vertreter überzeugt. Chemiker Fröhlich zitierte hierzu aus einer im Verwaltungsdeutsch formulierten Passage, die er so deutet, dass letztlich doch bis zu 100 000 Tonnen Hausmüll pro Jahr eingelagert werden könnten. „Nach Etablierung dieser Deponie können auch Abfallschlüssel im Nachhinein zugelassen werden“, meinte er. Sprich: Kleinere Ergänzungsanträge würden so an der Öffentlichkeit „vorbeigeschifft“ werden. Fröhlich zeigte zudem Grafiken, auf denen handschriftlich von der BI die Punkte mit der höchsten Staubbelastung eingezeichnet worden waren. „Fast direkt neben diesem Punkt soll eine Kita hinkommen. Das ist Sarkasmus“, sagte er.

     

    Auch bei dem in Aussicht gestellten Abstand von 360 Metern habe die Stadt getrickst. Denn das Material, dass die Deponieklassen (DK) I und II voneinander abgrenze, sei wasserdurchlässig, sagte Weber: „Also gibt es früher oder später eine lustige Vermischung mit den Schadstoffen.“ Um die Standsicherheit des Steinbruchs als Deponie zu gewährleisten, müssten außerdem 2200 Löcher gebohrt und mit Kies befüllt werden, ergänzte Fröhlich. BI-Sprecher Antonio Sommeses Befürchtung: Setzrisse an den Häusern durch die damit verbundene Erschütterung. Und von wegen, in 15 Jahren werde die Renaturierung beginnen: Aus den Planungsunterlagen gehe hervor, dass eine Verlängerung der Laufzeit bis zu 50 Jahre möglich wäre.

     

    Im Gespräch mit der AZ betonte Bürgermeister Günter Beck (Grüne), der derzeit in Vertretung für Katrin Eder für das Umweltdezernat zuständig ist: „Asbesthaltige Stoffe kommen nicht in den Steinbruch.“ Das gehe auch so im Antrag, und die Verwaltung halte den Ratsbeschluss ein. Jede Ladung zur Verfüllung des Steinbruchs werde vorab mehrmals kontrolliert. Auch den Vorwurf, die Stadt würde nachträglich Gefahrenstoffe an der Öffentlichkeit vorbei zulassen können oder Hausmüll einlagern, will er nicht stehen lassen. Beck: „Was die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd jetzt nicht genehmigt, wird auch später nicht genehmigungsfähig sein.“ Ergänzungsanträge seien über DK II nur durch einen Stadtratsbeschluss möglich. Der belastete Müll sei nicht krebserregend, außerdem komme er verpackt an.

     

    Stadtpressesprecher Marc André Glöckner betonte zudem: Die Behauptung, die Stadt wolle giftige Filterstäube deponieren, sei falsch. Zwar beinhalte der Katalog Abfallschlüsselnummern für diverse Filterstäube, die Abfälle dürften jedoch nur angenommen und deponiert werden, wenn die Zuordnungswerte der Deponieverordnung für DK I oder DK II nicht überschritten werden würden.

     

    Zur Befürchtung, dass es zu Setzrissen kommen könnte, versichert die Verwaltung, dass der dauerhafte Schutz des Bodens und des Grundwassers durch eine Kombination aus einer geologischen Barriere und einem technischen Abdichtungssystem erreicht werden würde. Was die Laufzeit der Deponie anbelangt, gehe die Verwaltung inzwischen sogar von weniger als 15 Jahren aus.

     

    Bürgermeister Beck versicherte: „Wir bauen doch nicht sehenden Auges eine Giftmülldeponie. Was hätten wir auch davon?“ Geplant sei ein umweltverträglicher Betrieb ohne Gesundheitsrisiken für die Nachbarschaft.

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung - 22.08.2018

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