Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    AZ-Artikel - Nirgendwo so wenig Deponien wie in Rheinhessen

    Foto: Robert Kindl -Weisenauer Steinbruch | 2015.07.11-047
    Foto: Robert Kindl -Weisenauer Steinbruch | 2015.07.11-047

    Von Michael Bermeitinger

     

    Nirgendwo so wenig Deponien wie in Rheinhessen

     

    STUDIE Ohne geplante Einrichtung im Laubenheimer Steinbruch sind Kapazitäten erschöpft / Bauschutt und Erdaushub nehmen weiter zu

     

    MAINZ - Das Thema Deponie ist gerade und besonders im Mainzer Süden, in Laubenheim, Weisenau und Teilen von Hechtsheim, ein Reizthema, soll doch im Steinbruch zwischen den Stadtteilen eine Lagerstätte für Bauschutt entstehen. Wie groß ist aber der Bedarf an Deponien mittelfristig im ganzen Land und gerade in Rheinhessen? Dieser Frage stellt sich ein Gutachten des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) sowie der Berliner Umwelt- und Energie-Consult (uec), das bei den Mainzer Arbeitstagen des Landesamtes für Umwelt (LfU) vorgestellt wurde.

     

    Das Resümee schon vorweg: „Es droht in den nächsten Jahren noch kein Entsorgungsnotstand.“ So Gutachter Rüdiger Oetjen-Dehne von uec, um allerdings gleich eine Bedingung zu formulieren: „Dies setzt aber voraus, dass für die Deponieklassen I und II die Planungen (oder andere) zur Erweiterung der Ablagerungsvolumina umgesetzt werden.“ Und selbst dann gelte es, die Entwicklung im Blick zu behalten.

     

     

    Den größten Anteil haben Bau- und Abbruchabfälle mit 1,6 Millionen Tonnen vom Gesamtaufkommen von 2,15 Millionen Tonnen (2014). Das Material fällt bei Abbrucharbeiten an, beim Aushub oder auch bei der Straßenerneuerung und wird in den nächsten 20 Jahren zunehmen.

     

    Der Blick des Gutachtens reicht bis ins Jahr 2035. Würden bis dahin keine neuen Deponien geschaffen, wären die Kapazitäten im Land praktisch erschöpft. Würden die derzeit vielerorts laufenden Plannungen hingegen verwirklicht, sähe es etwas besser aus. Dann hätten zumindest die Hälfte der Untersuchungsgebiete Platz für Abfall der Deponieklasse DK 0 und II sowie ein Drittel für DK I.

     

    In beiden Fällen allerdings – mit und erst recht ohne Erweiterung – sähe es in Rheinhessen schlecht aus. In keiner einzigen Deponieklasse reichen die Kapazitäten aus, zumal es im dicht besiedelten Gebiet nach der Schließung der Deponie Budenheim nur eine DK I-Lagerstätte in Worms gibt – nirgendwo sonst gibt es so wenige Deponien. Abhilfe könnte für die nächsten zehn bis 15 Jahre nur die Anfang Dezember mit großer Mehrheit im Stadtrat beschlossene Bauschuttdeponie Laubenheim mit seinen Kapazitäten für DK I und II bringen.

     

    Weitere Planungen gibt es für Rheinhessen nicht. Und auch in der weiteren Umgebung sieht es düster aus. Wiesbaden will nicht, und dann gibt es im 50-km-Radius nur noch eine DK II-Deponie in Hessen, alles andere liegt an der 70-km-Grenze. Und das ist teuer.

     

    Umweltstaatssekretär Thomas Griese sieht das Gutachten als Diskussionsgrundlage, dessen Prognosen kritisch diskutiert werden könnten. Allein der Ruf nach Deponien sei ohnehin falsch: „Es kann nicht sein, dass wir auf der einen Seite Deponieberge anhäufen und auf der anderen Seite Löcher zur Rohstoffgewinnung graben.“ Jährlich fielen im Land 6,7 Millionen Tonnen an Bauschutt, Erdaushub und Altasphalt an, wovon rund zwei Millionen Tonnen auf Deponien beseitigt würden – Tendenz steigend. „Das müssen wir stoppen, indem wir die Kreislaufwirtschaft stärken und nur noch die Abfälle deponieren, die aufgrund ihrer Belastung nicht verwertbar sind.“

     

     

    Quelle: Allgemeine Zeitung  - 08.07.2016

     


    Allegemeine Zeitung
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    Kommentare: 1
    • #1

      Britta Werner (Samstag, 09 Juli 2016 06:07)

      Prognosen zum Deponiebedarf in einem Bundesland sind schwierig, wenn eine Abrissgenehmigung dort nicht erforderlich ist. Bei den 13. Mainzer Arbeitstagen (http://bauforum.typo3web03.rlp.de/fileadmin/fm/bauforum/Veranstaltungen/Veranstaltungen%20weitere/13te-MAT-Einladung_Bauabfall_01062016.pdf) wurden viele Wege aufgezeigt, wie Deponierung durch konsequente Kreislaufwirtschaft auf dem Bau vermieden werden kann. Das setzt jedoch voraus, dass sich die Städte von der Idee verabschieden, mit der Errichtung von überdimensionierten Deponien ihre klammen Kassen zu füllen, und das Land seiner Verantwortung gerecht wird, zeitnah Flächen für nachhaltige Recycling-Betriebe auszuweisen.