Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    Mi

    02

    Dez

    2015

    AZ Artikel - "Fußtritte gegen Bürgerbeteiligung"

    STEINBRUCH-PLÄNE Deponie-Gegner von „BI 21“ befürchten Profit-Geschäfte und Müll-Tourismus

    Der an die Autobahn A 60 (re. oben) grenzende Steinbruch, über dessen Nutzung derzeit kontrovers diskutiert wird. Foto: Carina Schmidt
    Der an die Autobahn A 60 (re. oben) grenzende Steinbruch, über dessen Nutzung derzeit kontrovers diskutiert wird. Foto: Carina Schmidt

    Von Silvia Dott


    STEINBRUCH-PLÄNE Deponie-Gegner von „BI 21“ befürchten Profit-Geschäfte und Müll-Tourismus


    MAINZ - „Wir wollen keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!“ Das fordert die Bürgerinitiative 21 (BI). Am Montag trafen sich die Gegner der geplanten Bauschutt-Deponie im Laubenheimer Steinbruch zu einem Diskussionsabend im Rathaus. Links sei der Deponiezaun, und rechts wohnten Familien mit Kindern, hieß es vonseiten der Deponie-Gegner.


    Was die Stadt in der Deponie einlagern wolle, sei völlig unklar. Es werde von mineralischen Abfällen gesprochen, doch laut BI sei auch mit „giftigeren Elementen“ zu rechnen. Die BI spricht von Mülltourismus und Profit-Geschäften. Schlimmes Beispiel sei die Deponie in Zweibrücken. Hier werde Material aus Italien eingelagert.


    Hinters Licht geführt


    Die Bürgerinitiative habe sich den Namen BI 21 in Anlehnung an Stuttgart 21 gegeben. „Auch hier werden Menschen planmäßig hinters Licht geführt“, meinte der zweite Sprecher der BI, Robert Kindl.


    In Mainz gebe es nicht genug Bauschutt, der im Steinbruch gelagert werden könne, sagte BI-Sprecher Antonio Sommese. Nur zehn Prozent komme aus der Stadt, 90 Prozent anderswoher. Daher sei zu befürchten, „dass Müll aus anderen Regionen auch hierher kommt“.


    Man habe der Stadt einen Fragenkatalog geschickt, der zwar beantwortet worden sei, aber nur ausweichend und ungenau. „Die Bürgerbeteiligung wird hier mit Füßen getreten“, kritisierte der BI-Sprecher das Vorgehen von Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) und Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne). Die BI sieht den Stadtrat hinters Licht geführt. Bei den Abfällen gebe es so viele „Sternchen“, die Ausnahmen erlaubten, dass sich niemand
    mehr ein genaues Bild machen könne.






    Geologisch unruhiges Areal


    Klar sei, dass bevor der Abfall eingelagert werde, eine Tonschicht aufgetragen werde. Danach komme eine Folie.


    Der Steinbruch sei jedoch ein geologisch unruhiges Karstgebiet. „Was, wenn die Folie reißt?“ Was geschehe zum Beispiel bei Jahrhundert-Hochwässern? Dann schwappe alles über und gehe ins ungeschützte Erdreich und kontaminiere das Grundwasser, so die BI. In anderen Deponien würden Abwässer eigens gereinigt.


    Angepflanzt werden dürften später nur Büsche. Größere Gewächse könnten nämlich die Folie zerstören. „Wie lang hält solch eine Folie?“ Gesprochen werde von 15 bis 30 Jahren, meint Sommese: „Und dann?“


    Der BI zur Seite steht die Chemikerin Gitta Weber, die das einzufüllende Material kritisch sieht. Sie sprach davon dass Staub, der von der Deponie ausgehe, in einem Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt werde. Weber sprach von krebserregenden Stoffen. Andere BI-Aktivisten befürchten einen „bestialischen Gestank“.
    Rund 270 Laster pro Tag?


    Der Aufbau des Deponiekörpers sei völlig unklar, zudem sei von einem Fahrzeugaufkommen von 105 bis 268 Lastwagen täglich auszugehen, behauptet Weber.


    Ob Abfälle von Tankstellen eingefüllt werden sollen, werde lapidar beantwortet: In Mainz gebe es kaum Tankstellen.


    Sommese meint: „Im Grunde kann hier im Steinbruch alles eingelagert werden“.


    Allgemeine Zeitung - 02.12.2015



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