Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch!

    Do

    17

    Sep

    2015

    AZ-Artikel: Verärgert über nähe zur Wohnbebauung

    STEINBRUCH Bürgerinitiative kämpft gegen geplante Mülldeponie / Rundgang mit Stadtratsmitgliedern und Gespräch mit OB

    Foto Privat von Robert Kindl - 11.07.2011

    Sicht auf den Steinbruch, wo bald DK1 und DK2 eingelagert werden soll!


    Von Torben Schröder und Heiko Beckert


    WEISENAU/LAUBENHEIM - Sie sollen nachher nicht sagen können, sie hätten es nicht gewusst. „Die Bürgerinitiative gibt sich kämpferisch und hat keine Probleme, den Mindestabstand auch einzuklagen“, hält Antonio Sommese, Sprecher der BI „Keine Mülldeponie im Mainzer Steinbruch“, fest. Bei einer Ortsbegehung
    der Großberg-Siedlung führte die BI einem guten halben Dutzend Stadtratsmitgliedern direkt vor Augen, wie dicht die Grund- stücksgrenze der geplanten Mülldeponie an die Wohnbebauung im Weisenauer Stadtteil heranreicht.


    „Bis vor einigen Jahren betrug der Mindestabstand 300 Meter, was aber abgeschafft wurde“, berichtet Sommese, „aber sicher nicht, um den Abstand zu verringern. Also müssen wir feststellen lassen, ob die 300 Meter hier nicht einzuhalten sind.“ Und das solle die städtische Ampelkoalition rechtzeitig erfahren, bevor das millionenschwere Projekt ins Rollen kommt.


    Angst vor Feinstaub


    Auch eine zweite Zahl führt Sommese ins Feld: 3500 Unterschriften hat die Petition der Bürgerinitiative bereits eingesammelt. Hauptargument sind die Kleinstpartikel, die von der geplanten Mülldeponie ins Wohngebiet herüber wehen könnten: „Wenn die Grünen mir mit Unterschrift garantieren, es gibt keine gesundheitlichen Probleme, würde ich mir vorstellen können, in die Diskussion zu gehen“, sagt Sommese. „Die Grünen“, das ist in erster Linie Umweltdezernentin Katrin Eder. Diese hat nun, wie der BI-Sprecher berichtet, gemeinsam mit Oberbürgermeister Michael Ebling für den 13. Oktober zum Gesprächstermin geladen. Bis dahin will die BI einen Fragenkatalog ausarbeiten.


    „Wir müssen den Druck auf dem Kessel hochhalten, um ein gutes Ergebnis für Weisenau und Hechtsheim zu erzielen“, unterstreicht der Weisenauer Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD). Alexandra Gill-Gers pflichtet bei: „Ich bin froh, dass die Ampelkoalition entschieden hat, Zeit einzuräumen, um Alternativen zu überlegen“, sagt die sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Stadtrat, „es ist ein gutes Signal, dass das Thema neu aufgerollt wird. Ich merke, dass man sich in der Fraktion intensiver mit dem Thema beschäftigt.“

     

     

    Claudius Moseler (ÖDP) sagt: „Wir haben vor der Wahl schon unsere Bedenken geäußert. Vor Jahren ist hier ein Naherholungsgebiet versprochen worden, das aber allenfalls zu einem kleinen Teil realisiert ist.“ Sein Fraktionskollege Felix Leinen sieht „gute Chancen, die Deponie hier zu verhindern, denn die Nähe zur Wohnbebauung ist ein Riesenproblem. Und die Zukunft liegt ohnehin im Recycling.“


    Auch bei der Sprechstunde von Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) im Rathaus machten sich die Gegner der geplanten Mülldeponie bemerkbar. Verärgert über die Planspiele zeigte sich etwa Oliver Aßelmeyer.

    Er sei nur nach Weisenau gezogen, weil damals aus dem Steinbruch noch ein Naherholungsgebiet werden sollte. „Damit wurden wir gelockt“, sagte der 35-Jährige gegenüber der AZ.


    Von einer Deponie, in der – gerade einmal 25 Meter vom nächsten Haus entfernt – sogar belastete Materialien vergraben werden sollen, sei nie die Rede gewesen. Nun fürchtet er, dass sein Wohnquartier bald mit Feinstaub aus der Deponie belastet wird.


    Klare Forderung


    „Warum direkt neben einem Wohngebiet?“, fragt eine Nachbarin von Aßelmeyer, die von den selben Befürchtungen geplagt wird. Immerhin lebten dort rund 2000 Menschen, darunter auch viele Kinder.

     

    Die 49-Jährige fühlt sich von der Politik verlassen. Mit dem Fluglärm und der Autobahn seien die Weisenauer schon genug gestraft, eine Mülldeponie sprenge das Erträgliche: „Irgendwann ist mal Schluss.“ Sie stellt an die Mainzer Politik eine klare Forderung: „Ich möchte, dass etwas für uns gemacht wird und nicht gegen uns.“



    Quelle: Allgemeine Zeitung vom 17.09.2015


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